Dreimal die Woche schultert Betsy van Dorn ihre weiße Büchertasche, verlässt ihr Penthouse im Hafen der amerikanischen Ostküstenmetropole Boston und wandert hinüber zur Eliot Elementary School in North End. Um Punkt zwölf öffnet sich die Tür des Klassenzimmers der ersten Klasse, die Lunchpause beginnt. Van Dorn wird von einem kleinen schwarzen Mädchen herzlich begrüßt.

Dann wandern sie zusammen zur Lunch-Ausgabe, Betsy van Dorn besorgt die Milch, Damiyah greift sich noch zwei Orangen, und auf geht's in den dritten Stock. Ziel ist die Bibliothek. Dort setzen sich die beiden an einen niedrigen runden Tisch und fangen an mit der Arbeit. Laute erkennen, Wörter buchstabieren, Wörter lesen, reimen.

Betsy van Dorn ist eine freiwillige Helferin der Boston Partners in Education, der größten Organisation von Schulhelfern in der Gegend. Seit 1966 baut die Organisation nachhaltige Partnerschaften zwischen Schülern und freiwilligen Helfern, Schulen und lokalen Firmen, Universitäten und Gemeinden auf. All diese Partnerschaften haben das Ziel, den Kindern das nötige Handwerkszeug zu vermitteln, um besser lernen zu können. Bausteine des Projektes sind Programme, die Lehrern und Schülern helfen sollen, sowie die Freiwilligen, die sorgfältig auf ihre Arbeit vorbereitet werden.

Betsy van Dorn, eine frühere Bildungsjournalistin, volontiert schon seit ein paar Jahren in ihrer Nachbarschaftsschule und hilft Kindern, die am Anfang des ersten Schuljahrs zurückfallen, doch wieder aufzuschließen. Oft gelingt das, manchmal nicht. Wichtig ist dabei, dass die Lehrer nicht bis zum vierten Schuljahr warten, wenn die Leseschwierigkeiten massiv und kaum noch reparabel sind, sondern schon nach zwei Monaten eingreifen, wenn man kompensatorisch viel ausrichten kann.

Nachdem die beiden einige Laute ausprobiert haben, das n in not und das h in hot, nachdem die Sechsjährige kapiert hat, dass dog zwar ähnlich, aber doch ganz anders ist, liest Betsy van Dorn ein Kapitel aus einem Bilderbuch, das sie letzte Woche begonnen haben. Damiyah isst derweil ihr Würstchen. Dann und wann muss Damiyah ein Wort lesen oder buchstabieren, dann geht es weiter.

Nach einem Kapitel hat Damiyah keine Lust mehr. Sie steht auf, rennt herum.

Ms van Dorn reagiert sofort auf den Bewegungsdrang des kleinen Mädchens und macht daraus ein Spiel. Okay, wenn du hat buchstabieren kannst, machst du zwei Sprünge nach vorn, wenn du fat richtig buchstabieren kannst, drehst du dich zweimal, wenn du pan schaffst, zwei Riesenschritte nach vorn, und wenn du ban richtig hinkriegst, noch einmal zwei Babyschritte. Da ist Damiyah wieder an ihrem Platz.