Mainz Selbstverständlich ist er aufgeregt. „Etwas nervös sind wohl alle, wenn man die Gelegenheit hat mit George W. Bush und Gerhard Schröder zu diskutieren“, schätzt Max von Bismarck. Nicht mehr lange, dann soll der 29-Jährige gemeinsam mit anderen so genannten jungen Führungskräften dem amerikanischen Präsidenten und dem deutschen Kanzler in einer Diskussion gegenüber sitzen.

Insgesamt 24 solcher „Young Leaders“ sind zu dem Gespräch geladen, das im Rahmen des Deutschland-Besuchs von Präsident Bush in Mainz stattfindet. Voraussetzungen für die Begegnung mit den Staatsmännern: Die aufstrebenden Führungskräfte sollen zwischen 25 und 35 Jahren alt, aktiv in Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft sein – und natürlich Englisch sprechen. Vorgeschlagen wurden sie von Organisationen wie dem Aspen Institute, der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland, dem Marshall Fund und der Atlantik-Brücke.

Die ausgewählte Runde trifft sich zu dem Politiker-Gespräch am Mittwoch im Moritzsaal des Kurfürstlichen Schlosses. Der Beginn wird von Fernsehkameras übertragen, auch die Begrüßung Bushs: Er will den jungen Leuten zuhören, betont der Präsident. Es interessiere ihn, was sie über seine Politik denken und will über seine Entscheidungen sprechen: Ihm sei bekannt, dass es über einige Unstimmigkeiten gegeben habe: „Das wird einer der Höhepunkte meiner Europa-Reise.“

Nach den ersten Fragen ist die Gesprächsrunde unter sich, fast 90 Minuten dauert sie, im Protokoll war eine knappe Stunde vorgesehen. Am Ende sind sich die Teilnehmer einig: „Das Gespräch hat in einer gemütlichen und entspannten Atmosphäre stattgefunden“, sagt Henry Tesch, Schulleiter aus Mecklenburg-Vorpommern. Nachdem die Kameras ausgeschaltet wurden, seien Bush und Schröder „total offen“ gewesen. Es gab keinen Moderator, jeder Teilnehmer konnte frei fragen. Am Rand hat Außenministerin Condoleezza Rice gesessen und ebenfalls einige Fragen beantwortet.

„Bush hat sich total geöffnet", hat David Beffert, wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Think Tanks in Berlin, beobachtet. „Man hat gemerkt, dass Bush es mag, mit den Leuten zu schwätzen – das macht er gut und gerne.“ Und der 26-Jährige ergänzt: „Er sagt was er meint, das merkt man.“ Katrin Leeb von der Deutschen Bank fand den Round Table „sehr intensiv und aufregend“, nur wirklich kritische Fragen gab es offenbar nicht. Die Teilnehmer wollten Respekt zeigen und Bush „nicht voll attackieren“, erklärt sie. Der Präsident habe oft auf einer Metaebene geantwortet, Schröder anschließend differenzierte Aussagen ergänzt. Dies habe kritische Nachfragen erübrigt, so Leeb.

Max von Bismarck schließlich wollte wissen, was die beiden Staatsmänner denn voneinander lernen können. Eine Anfrage, mit der er den US-Präsidenten erst mal in Verlegenheit gebracht hat, so berichten es die anderen Zuhörer. Nach einer längeren Denkpause habe Bush dann Schröders „nettes Augenzwinkern“ gelobt: „He has a nice twinkle." Schröder hingegen habe entgegnet, dass er die innere Überzeugung spannend finde, mit der Bush seine Positionen vertritt, auch wenn diese kontrovers seien. Oder in den Worten von Teilnehmerin Kathrin Leeb: „Er könnte lernen, wie man trotz Widerständen konsequent auf seiner Linie bleibt.“