Die Stimmung im schwarz-gelben Lager ist seit der Wahl in Schleswig-Holstein etwas gedrückt. Aus den Wortäußerungen, die momentan durch die Medien gehen, spricht der Frust wegen einer verpassten Regierungschance. Wolfgang Kubicki, Schleswig-Holsteins FDP-Chef, suchte den Grund für das schlechte Abschneiden seiner Partei und fand ihn in Bayern. Selten um einen Hieb auf politische Gegner (und Freunde) verlegen, prangerte er im Tagesspiegel Stoiber an, durch seine Attacken auf Merkel und Westerwelle im letzten Jahr die Wechselstimmung in Schleswig-Holstein gedrückt zu haben.

Beschweren, der Zusammenhalt der Opposition werde durch solche Äußerungen geschwächt, braucht sich der bayrische Ministerpräsident nicht. Nach der Wahl schlug er im Schuldzuweisungs-Ping-Pong zwischen CSU und FDP auf: die Verluste der FDP führte er auf ihren Mangel an Standfestigkeit zurück, zweifelsohne eine Kritik an der Koketterie Kubickis mit einer rot-gelben Lösung in Kiel. Sogleich retournierte Westerwelle, den man immer noch von Stoibers „Leichtmatrosen“-Angriff letztes Jahr beleidigt wähnt, dass alle Schuld am verpassten Sieg dem bayerischen Ministerpräsidenten gelte, durch dessen „monatelanges Sperrfeuer auf CDU und FDP der riesige Vorsprung der letzten Monate abgeschmolzen“ sei. Anschließend sprangen CSU-Generalsekretär Markus Söder und FDP-Vize Rainer Brüderle an die Mikrofone, um ihre Chefs zu verteidigen. Angela Merkel konnte nur kopfschüttelnd zuschauen, wie ihre Schäfchen sich selbst zerfleischten.

Doch der Frust der verpassten Regierungschance war auch in der Bundes-CDU deutlich zu spüren. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) wurde bedrängt, von der Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung abzusehen. Der Gewinner dürfe nicht zum Verlierer gemacht werden, ereiferte sich Christian Wulff. Gleichzeitig zweifelte man öffentlich an der Legitimität der SSW-Mandate. Nach einer schleswig-holsteinischen Regelung ist der SSW als Minderheitspartei von der Fünf-Prozent-Klausel nicht betroffen. Prompt stand die CDU als schlechter Verlierer da, und so rief die Landtagsfraktion der CDU ihre Berliner Kollegen zur Besonnenheit auf.

Anstatt also eine taktische Debatte über eine CDU-Beteiligung an der Landesregierung oder eine Diskussion über das Wahlprogramm anzustoßen, verrennt sich das schwarz-gelbe Lager in personellen Machtdisputen, Schleswig-Holstein nach der Landtagswahl dient dabei lediglich als neuer Austragungsort. Die Wellen, die FDP und CSU jetzt schlagen, könnten auf die Opposition zurückrollen. Im Mai wählt man in Nordrhein-Westfalen. Adrian Pohr, ZEIT.de