Feminismus, Quote und Frauenbeauftragte – all dies halten junge Frauen für steinzeitlich. Sie sind frei. Die Töchter der Frauenbewegung lassen sich von keinem Mann etwas vorschreiben. "Sexy" ist für eine Studentin, die ein Auslandsstipendium in der Tasche hat, kein Schimpfwort. So weit die Eliten. Für die weibliche Unterschicht haben sich schon die Traditionsfeministinnen der siebziger Jahre nie sehr interessiert; heute hat sie erst recht keine Lobby.

Doch sogar unter den begünstigten Vertreterinnen der neuen, siegessicheren Weiblichkeit macht sich Unruhe breit: Haben sie, haben wir genug erreicht? Immer noch verdienen Frauen im übertariflichen Bereich (wo es erlaubt ist) deutlich weniger Geld, als ihre Kollegen für die gleiche Arbeit bekommen. Immer noch sind wir in den Chefetagen von Wirtschaft, Medien und Wissenschaft exotische Wesen.

Zudem hat die Distanzierung von den peinlicheren Formen des Traditionsfeminismus uns die Sprache der Kritik geraubt: Zwar gab es zu keiner Zeit mehr offenen Sexismus, mehr kommerzielle Zurschaustellung des weiblichen Körpers als heute. Aber wir schweigen dazu, eben um nicht peinlich zu sein.

Wir streben nach beruflichem Erfolg – und bleiben doch intellektuell anspruchslos. Wo sind die Großdenkerinnen, welche die ergrauten Essayisten aus dem politischen Feuilleton verdrängen? Wir reden vom partnerschaftlichen Mann und entscheiden uns dann doch für den Macho, den Älteren, den beruflich Erfolgreichen – um uns sofort zu wundern, dass er nicht im Haushalt hilft. Wir dulden eine kulturelle Repräsentanz des Weiblichen – in Frauenzeitschriften, Fernsehserien, Frauenliteratur –, die alle Freiheitsgewinne verhöhnt.

Was können wir tun? Aufwachen. Uns darüber verständigen, wie wir sein wollen. Dazu möchte die ZEIT einen Anstoß geben – mit einer Serie, die in dieser Ausgabe beginnt. Wir haben einflussreiche Frauen gefragt , wie sie die Welt sehen.

Unsere Autorin Tanja Busse geht der Frage nach, warum viele Managerinnen den letzten Karriereschritt an die Spitze vermeiden .

Über die Erziehung zum Mädchen berichtet Christine Brinck. Jana Hensel hat sich im Selbstversuch der medialen Verdummung ausgesetzt und empört sich über die frauenorientierte Bewusstseinsindustrie . Dazu: "Ein Bild von einer Frau", eine Galerie der besten zeitgenössischen Fotografinnen.