Berlin, 6. März 2005 -Dr. Wilhelm Priesmeier, stellvertretender agrarpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, kommentiert Berichte der Boulevardpresse über einen angeblich gefährlichen Zusammenhang zwischen Paratuberkulose bei Kühen und der chronischen Darmkrankheit Morbus Crohn.

Dr. Priesmeier mahnt mehr Sachlichkeit der Diskussion an: "Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Morbus Crohn und der bei Rindern nicht selten anzutreffenden Paratuberkulose, besteht, ist etwa 100 Jahre alt. Und dieser Gedanke ist keineswegs abwegig: In der Tat ähneln sich beide Krankheiten sehr", erklärt Dr. Priesmeier. "Seitdem wird immer wieder in der Fachwissenschaft kontrovers über einen möglichen Zusammenhang diskutiert."

In jüngerer Zeit wurde die Debatte erneut angefacht, weil der Erreger der Paratuberkulose auch bei Morbus-Crohn-Patienten gefunden wurde. Doch damit ist keineswegs bewiesen, dass er der Auslöser ist.

"Das Bakterium ist keineswegs bei allen Erkrankten nachzuweisen, dafür aber auch bei kerngesunden Menschen", erläutert Dr. Priesmeier. Als einziger Auslöser, so fährt er fort, komme der Erreger ohnehin kaum in Betracht. Es gilt als wahrscheinlich, dass für eine Erkrankung an Morbus Crohn eine Vielzahl von Faktoren zusammenkommen müssen.

Ein Indiz dafür, dass die Paratuberkulose vermutlich nicht Auslöser von Morbus Crohn ist, fand Dr. Priesmeier in Schweden: "Seit Jahren gehen die Behörden dort massiv gegen die Tierseuche vor. Dadurch konnte die Paratuberkulose praktisch ausgerottet werden. Trotzdem erkranken statistisch gesehen nach wie vor genauso viele Schweden wie Deutsche an der Crohn'schen Krankheit."

Auf eines legt Dr. Priesmeier jedoch großen Wert: "Ich will einen möglichen Zusammenhang keineswegs kleinreden oder gar wegdiskutieren!" Solange nicht vollkommen auszuschließen sei, dass zwischen beiden Krankheiten ein Zusammenhang bestehe, müsse die entsprechende Forschung mit Energie vorangetrieben werden. "Allerdings kann keine Rede davon sein, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium in dieser Sache bislang untätig war. Die bisherigen Untersuchungen der staatlichen Institute belegen, dass man sich seit Jahren ernsthaft mit dem Problem beschäftigt."

Auch von Horrorszenarien für die Landwirtschaft distanziert sich Dr. Priesmeier entschieden. "Wer jetzt von Massentötungen erkrakter Rinder fabuliert, der erzeugt auf unverantwortliche Weise Ängste, die jeglicher Realität entbehren."