iran Harte Kerne, nicht zu knacken
Iran hält an seinem Atomprogramm fest – trotz neuer diplomatischer Töne aus Washington. Im Sommer könnte der Streit eskalieren
Wieder tagt das Lenkungsgremium der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien (IAEA), und noch immer kann der Fall Iran nicht zu den Akten gelegt werden. Teheran verweigert IAEA-Inspektoren den Zugang zu verdächtigen Anlagen (was legal ist, aber nicht gerade Vertrauen aufbaut). Außerdem unterließ es das Regime, der Behörde den Bau von Tunneln in der Nähe des Atomkomplexes von Isfahan zu melden. Was die 18-jährige Geschichte des heimlichen Atomprogramms angeht, bleiben überdies Fragen unbeantwortet. Und während Iran in Wien deswegen kritisiert wurde, erklärte sein Außenminister Charrasi, das Land wolle 20 neue Kernkraftwerke errichten und den Brennstoff dafür überwiegend selbst herstellen – was großtechnische Anreicherung von Uran bedeuten würde und damit die ingenieurmäßige Basis für die Bombe.
Zur Klarstellung ergänzte der Minister, sein Land sei deshalb so mächtig, weil es Zugang zu nuklearer Technik habe. Und hatte nicht Irans Verhandlungsleiter Hassan Rohani, konservativer Chef des Sicherheitsrates, während seines Besuches bei Kanzler Schröder und Außenminister Fischer wiederholt, dass auch in Zukunft keine iranische Regierung die zentrale Forderung der Europäer erfüllen könne, also die Beendigung des Anreicherungsprogramms? Lächelnd verwies Rohani auf den Konsens fast aller politischen Lager im Lande, Kerntechnik ohne jede Einschränkung anzustreben – zu friedlichen Zwecken, wie es unablässig und leider unbeweisbar heißt.
Keine Bewegung also. Was aber wäre dann der Sinn amerikanischer Äußerungen, man gehe mit Europas Bemühungen konform, Iran durch Lockangebote vom Aufbau eines militärisch nutzbaren Nuklearpotenzials abzubringen? Iranische Diplomaten deuten diese Töne jedenfalls nicht als Konzilianz. Sondern, im Gegenteil, als Versuch Washingtons, Europa an einem Kompromiss über die Anreicherung zu hindern.
Die Europäer bleiben hart, und die Amerikaner lassen sich Angebote an Teheran einfallen – das ist abstrakt gut, aber konkret schlecht, denn Iran wird nicht einlenken. So könnte es weitergehen: Nach der New Yorker Atomwaffenkonferenz im Mai werden die Verhandlungen für gescheitert erklärt, und die Europäer müssen sich zwischen USA und Iran entscheiden. Sie werden auf der IAEA-Sitzung im Juni dafür stimmen, den UN-Sicherheitsrat anzurufen – und die Krise hat eine neue Stufe der Eskalation erklommen.
- Datum 03.03.2005 - 13:00 Uhr
- Serie cvd-vorab
- Quelle (c) DIE ZEIT 03.03.2005 Nr.10
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