Was ist weiblich? Frauen haben HöhenangstSeite 4/4

»Was machen Sie hier? Und wo sind bloß Ihre Kinder?«

Zwar beweisen Umfragen und Studien wie jene von Sonja Bischoff, dass auch Topmanagerinnen Kinder haben können. Doch hilft das den werdenden Müttern kaum weiter: Ihre 60-Stunden-Jobs sind eigentlich für zwei Personen ausgelegt – für einen, der fast immer in der Firma ist, und für die andere, die ihm zu Hause den Rücken freihält. Und jeder, der nach diesem Modell arbeitet, legt die Messlatte für Leute, die arbeiten, sich zugleich aber auch um ihre Kinder kümmern wollen, unerreichbar hoch. Schon Managerpaaren ohne Kinder fehlt Zeit für alles, was neben der Arbeit erledigt werden müsste. Und viele kinderlose Managerinnen erzählen, dass sie mit Kindern nicht da wären, wo sie sind. Sie folgen dem alten Prinzip des Entweder-oder. Andere aber suchen Lösungen zwischen den Extremen, und dies im Wissen, dass jede dieser Lösungen ihren Preis hat.

»Kinder ändern alles«, sagt die Wirtschaftsprofessorin Ann-Kristin Achleitner. Ihre Arbeit hält sie nur deshalb für vereinbar mit ihren drei Kindern, weil sie als Professorin selbst bestimmen kann, wie viel und vor allem wann sie arbeitet. »Vor der Geburt meines ersten Kindes habe ich gearbeitet wie ein Mann«, sagt sie. »Jetzt geht es nicht mehr um das Maximum, sondern um das Optimum.« Der Preis für ihren beruflichen Erfolg sei »ein durchgetaktetes Leben«, ein ständiger Spagat zwischen Arbeit und Kindern. »Das geht nur, weil mir die Arbeit so viel Spaß macht.« Was Frauen in einer solchen Situation am wenigsten brauchen, sagt sie, seien Partner und Kollegen, die diese konzentrierte Arbeitsweise infrage stellten.

»Ich bin froh, dass mit meinen Kindern alles gut läuft. Denn wenn Kinder schwierig sind, bekommt eine arbeitende Mutter das sofort reingewürgt«, sagt Sybille Hartmann, die 1994 als eine der Ersten einen Teilzeitjob im Management des Lebensmittelkonzerns Unilever durchgesetzt hat und sich heute – wiederum als Pionierin – einen Arbeitsplatz mit einer Kollegin teilt. Dass sie als Mutter auf ihren angestammten Job verzichten müsse, war ihr klar gewesen. »Ich wollte nur irgendeinen interessanten Job«, doch selbst das war zu viel für manche Kollegen: »Frau Hartmann, was machen Sie schon wieder hier? Und wo lassen Sie bloß ihre Kinder?« Nach zwölf Jahren Mutterschaft im Management hat sie gelernt, solche Sprüche zu kontern. »Ich kann es nicht mehr hören, wenn beklagt wird, dass so wenig Frauen im Management sind. Es muss heißen: Wieder kein Mann in Elternzeit.«

Wenn Managerinnen mit Kindern nicht aufsteigen, liegt es auch daran, dass sie sich – anders als manche Väter – für mehr als die finanzielle Versorgung ihrer Kinder verantwortlich fühlen. Sonja Kämpfer ging in Elternzeit, weil sie keine Wochenendmutter sein wollte. Vor kurzem hat sie nun ein neues Frauennetzwerk gegründet: In ihrem Forum Human Resources soll es um die Frage gehen, wie man mit alternativen Arbeitsformen erfolgreich sein kann – und darum, wie Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden können.

 
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