Porträt Falke in der Weltbank

Paul Wolfowitz ist als Architekt des Irakkrieges bekannt und kommt jetzt für den Posten des Weltbankchefs in Frage. Die Europäer sträuben sich bei diesem Gedanken

Auf der Liste der Kandidaten für das Amt des neuen Weltbankchefs taucht ein Name auf, der viele Diplomaten erschaudern lässt: Paul Wolfowitz. Diese Nominierung für den gewichtigen Posten beunruhigt die Europäer. Ihnen gilt Wolfowitz als Architekt der Irakinvasion, als ideologisch-starrsinniger Falke, der Begriffe wie „präemptive Militärschläge“ geprägt hat. In den USA wird dagegen das Bildnis des „Veloceraptors“ bemüht, eines Dinosauriers, bei dem sich Intelligenz mit Jagdinstinkt paart. Doch der derzeitige Vize-Verteidigungsministers würde nicht für den Weltbankvorsitz nominiert, wenn diese Charakterisierungen das Wesen Wolfowitz vollständig erklärten.

Allgemein wird Wolfowitz den Neocons zugerechnet, einer Denkschule von Konservativen mit ausgeprägtem Idealismus. Das Ziel der Neocons liegt in der Verbreitung demokratischer Werte, gegebenenfalls mit militärischer Gewalt. Sie unterscheiden sich damit von den klassischen Konservativen, die rationale Interessenpolitik propagieren. Wie viele Neocons begann Wolfowitz seine Karriere als Demokrat. 1977 trat er als Vizestaatsekretär unter Jimmy Carter im Pentagon an. In Ronald Reagans Amtszeit wechselte er als Chef des Planungsstabes ins Außenministerium. Wichtiges Kriterium bei der Bewerbung um den Weltbank-Job ist Auslandserfahrung, und die kann Wolfowitz in seinem Lebenslauf nachweisen. In den Achtzigern arbeitete er einige Jahre als Botschafter in Indonesien und erlernte die indonesische Amtssprache - eine unter Botschaftern nicht überall verbreitete Praxis. Durch seine Arbeit als politischer Akademiker und Staatssekretär sind ihm weit mehr Regionen als nur die südostasiatische vertraut.

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Wolfowitz’ Idealismus, Freiheit und Demokratie in die Welt zu tragen, ist dem Weltbankamt eher förderlich. Problematisch an der Außenwahrnehmung seiner Arbeit im Pentagon, in das er 1989 von Bush Senior geholt wurde, sind eher der Einfluss und die Mittel, die ihm dort zur Verfügung stehen. Die neokonservative Doktrin, die zunächst die Befreiung des Nahen Ostens vorsieht, ließ sich mithilfe der Bush-Regierung und des Militärs im Ansatz erfüllen. Den amerikanischen Drang nach nahöstlicher Neuordnung personifizierten viele Europäer mit dem Mann hinter Rumsfeld und nahmen ihn als einflüsternden Hardliner wahr. Sie werden bestimmt nicht abgeneigt sein, seine Nominierung für die Weltbank zu blockieren. Schon erinnern europäische Diplomaten an den Präzedenzfall Caio Koch-Weser. Die Nominierung des deutschen Staatssekretärs als Chef des Internationalen Währungsfonds wurde von den Amerikanern unter Präsident Bill Clinton blockiert.

Doch warum Wolfowitz an die Spitze der Weltbank gehoben werden soll, ist unklar. Manche munkeln von einer „Weglobung“ des stellvertretenden Verteidigungsministers. Angebote dieser Art weiß Wolfowitz einzuschätzen. Schließlich bot ihm Colin Powell bei der Regierungsbildung 2000 den Posten des UN-Botschafters an - keine Auszeichnung, wenn man den Umgang der US-Regierung mit der Institution und Wolfowitz’ Aversion gegen Multilateralismus betrachtet. Und so hörte man aus dem Pentagon zunächst keine Bestätigung für Wolfowitz’ Nominierung. Die multilaterale Perspektive sollte Wolfowitz jedoch noch erlernen, will er in die Fußstapfen des jetzigen Weltbankchefs Wolfensohn treten.

 
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