Die Oper Das Treffen in Telgte nach der gleichnamigen Novelle von Günter Grass hat gute Aussichten, als Treppenwitz in die Musikgeschichte einzugehen. Ihre Uraufführung wurde vor vielen, vielen Jahren in Dresden bestellt, nach Chemnitz weitergereicht, dort verschleppt, dann beiderorts abgesagt. Der Komponist Eckehard Mayer putzte Klinken quer durchs Land, nirgends ward ihm aufgetan.

Nun erbarmte sich das Opernhaus Dortmund und suchte die Befürchtung abzuwehren, Grass' Text sei für eine Vertonung ebenso ungeeignet wie das Kyoto-Protokoll oder die jüngste Urheberrechtsnovelle. Auch wenn Librettist Wolfgang Willaschek die Vorlage kräftig gewrungen hat: Ihr ließ sich kaum dramatisches Potenzial abpressen.

Kennzeichen von Grass' Novelle ist die parabolische Artistik, mit der er eine Poetenkonferenz im Jahr 1647 anberaumte und dem Leser zahlreiche Spuren ins 20. Jahrhundert und zur Gruppe 47 legte. Der poetische Kern war ein politischer: Wie dichten, wenn die Welt in Scherben liegt? Wie eine Sprache finden, die der Wahrheit und der Kunst dient? Grass' Telgte ist vor allem eine barock toupierte Welt der Thesen und Theorien, ein köstlicher Report aus der fiktiven Werkstatt von Meisterdichtern.

Mayer hat sich Mühe gegeben, sein groß besetztes Orchester zum Zwecke der Wortverständlichkeit dynamisch zu bändigen. Leider herrscht nun das graue Gebastel aus dem Versandhauskatalog. Die Musik ist immerzu illustrativ und rührend um Unkenntlichkeit bemüht. Hier schaben verzweifelte Celli, dort tutet ein Saxofon, hier bimmelt ein Schlagzeug. Viel Arbeit, wenig Ertrag. Christine Mielitz, Dortmunds Intendantin, betätigt sich in ihrer Inszenierung eifrig als Übersetzerin in die Gegenwart. Auf bühnenhohen Dias laufen Menschen durch zerbombtes Gemäuer, Adenauer steht am Rednerpult, Erhard pafft seine Zigarre, und auf der Bühne liegen Pakete mit der Aufschrift "Care".

Am Ende tritt in einer brausenden Videosequenz der gegenwärtige Komödienstadl mit den Dichtern Fischer, Schröder, Merkel, Stoiber und Westerwelle zusammen. Da waren wir nach den Sentenzen ihrer Vorgänger Gryphius, Gerhardt oder Silesius schon fast in wohligen Schlummer gesunken.