War es ein unglücklicher Zufall oder ein geplantes Attentat? Giuliana Sgrena hat inzwischen schwere Vorwürfe gegen die US-Armee erhoben: Der Beschuss ihres Konvois sei ein gezielter Hinterhalt der Amerikaner gewesen. Sgrena sagte im italienischen Fernsehen, sie könne nicht ausschließen, Ziel des Angriffs gewesen zu sein. Die Entführer hätten sie vor der Freilassung vor den Amerikanern gewarnt; sie hätten dies mit den Worten begründet: "Weil die Amerikaner nicht wollen, dass du zurückkehrst."

Widersprüchlich sind die Angaben zu dem Vorfall. Laut US-Darstellung ist der Wagen mit Sgrena auf dem Weg zum Bagdader Flughafen viel zu schnell auf einen Kontrollposten zugefahren und habe trotz mehrerer Warnsignale nicht gehalten. Giuliana Sgrena hingegen sagt, das Fahrzeug sei mit "normaler Geschwindigkeit" gefahren, als es zum Beschuss kam, habe der Fahrer immer wieder geschrieen: "Wir sind Italiener." Es habe zuvor keinerlei Warnsignale durch die US-Soldaten gegeben.


Unklar ist ferner, ob sich der tragische Zwischenfall an einem Kontrollpunkt ereignet hat oder auf freier Strecke. Sgrena dementierte Ersteres und sagte, ihr Fahrzeug sei von einer US-Patrouille beschossen worden. Diese Version soll von anderen Überlebenden der Eskorte bestätigt worden sein.

Der Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari starb direkt am Unglücksort; Todesursache war ein Schuss in die Schläfe. Ihm soll posthum die Tapferkeitsmedaille verliehen werden, ein Staatsbegräbnis ist geplant.

Pier Scolari, der Lebensgefährte der Journalistin, bezichtigte die USA eines vorsätzlichen Tötungsversuchs: "Die amerikanischen Militärs wollten nicht, dass sie lebend da heraus kommt." Giuliana Sgrena habe Informationen, die für die US-Armee gefährlich werden könnten.

Noch immer sind auch die genauen Umstände, die zur Freilassung der 56-Jährigen geführt haben, nicht bekannt. Zu Beginn der Entführung vor rund einem Monat sollen eine Million Dollar (etwa 760.000 Euro) Lösegeld gefordert worden sein. In italienischen Medien war am Sonntag von bis zu sechs Millionen Dollar (4,57 Millionen Euro) die Rede. Jonadam Kanna, christlicher Abgeordneter im irakischen Parlament, sagte, es sei ein Lösegeld von einer Million Dollar gezahlt worden. Bei den Geiselnehmern soll es sich nach seinen Aussagen um Anhänger des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein gehandelt haben.