Als der Redakteur ein kleiner Junge war, fuhr er für sein Leben gern Trecker auf dem heimischen Kirmeskarussell. Dreimal, viermal, fünfmal. Er konnte nicht genug bekommen. Und wenn die Eltern keine Chips mehr hatten, schaute er sie mit großen Augen an und bettelte: "Nur noch einmal!"

So klingt das heute bei denen, die Deutschland mit einem Konjunkturprogramm aus der Flaute ziehen wollen. Nur noch einmal, aber diesmal intelligent. Nur noch einmal, und dann wird der Staat sparen. Ehrenwort!

Man kann verstehen, warum Wolfgang Clement vor der kleinen Schicksalswahl in Nordrhein-Westfalen Geld ausgeben will, das die Bundesregierung nicht hat – und warum sein Chef bei den Euro-Partnern nach Art eines Bulldozers den Weg dafür freiräumt. 5,2 Millionen Arbeitslose lassen Gerhard Schröders Aufrufe zur Geduld wie Fatalismus wirken. Etwas muss also getan werden, wenn möglich etwas Großes.

Doch was außer politischer Verzweiflung spricht dafür, dass ausgerechnet jetzt der Staat den Unternehmern und Verbrauchern mehr Geld aus der Tasche locken könnte? Wachstumsinitiativen gibt es schon. Schröders Agenda 2010 bot Bürgern und Bürgermeistern 15 Milliarden Euro verbilligte Investitionskredite an. Und doch hat sich die Binnennachfrage kaum vom Fleck bewegt.

Zudem laufen dieses Jahr bereits zwei Konjunkturprogamme, die freilich so nicht heißen. Mit dem letzten Teil der Steuerreform verzichtet der Staat auf mehr als sechs Milliarden Euro – insgesamt hat er die Steuerzahler seit 2001 um rund 50 Milliarden Euro entlastet! Und Hartz IV kommt den Bund schätzungsweise 6,5 Milliarden Euro teurer als gedacht. Darüber freuen sich vor allem die Kämmerer der Kommunen, die dem Bund mehr Sozialfälle als erwartet zugeschoben haben.

Warum zündet keines dieser Feuerwerke? Weil die meisten von uns skeptisch sind. Die Löhne sind vielerorts kaum gestiegen, neue Lasten drohen verschwommen in der Zukunft, und der Staat torkelt am Rand der Überschuldung. Am Ende dieses Jahres dürfte Deutschland offiziell mit 70 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet sein. Wenn Fachleute Pensionspflichten und die Versprechen der Sozialversicherung hinzuzählen, kommen sie schnell auf das Dreifache dieser Last. Weil die Jüngeren später keine vergleichbaren Gegenleistungen für ihre Beiträge erwarten dürfen, sehen sie sich zudem zur privaten Vorsorge gezwungen.