Fast 14 Stunden benötigt Sven Regener für die Hörbuchfassung seines 600-Seiten-Romans Neue Vahr Süd. Die meisten Leser haben wohl länger gebraucht, und mancher Kritiker hat letztes Jahr die ausufernde Breite beklagt, in der Regener seinem Herrn Lehmann (dem Helden des gleichnamigen Debütromans) eine Jugend nachlieferte, die 1980 in Bremens Vorort Neue Vahr spielt (Roof Music, 12 CDs, 13 Std. 41 Min., 49,90 e, ISBN 3-936186-57). Das Gefühl für Tempo und Timing - sollte es ausgerechnet den Musiker Regener (Element of Crime) verlassen haben? Mitnichten, wie die rasante Autorenlesung zeigt. Durch den bremerisch gefärbten Slang rauscht Regener mit einem Drive, der die Geschichte in Fahrt bringt: die zweckfreie Rastlosigkeit, die Lehmann erleben muss, sei es in der Bundeswehr oder einer im Linkssein erschlaffenden WG. Horte der Entscheidungsarmut, Gleise der Zähigkeit. Zwischen diese und dem darüber schlitternden Gelaber, zwischen Regeners glänzenden Trägheitsskizzen und seinem halsbrecherischen Lesetempo entsteht eine Reibung, die die Pointen nur so sprühen lässt.