Wie kann ein Produkt wirklichkeitsnah dargestellt werden, wenn es noch gar nicht haptisch existiert? Wie kann die Welt eines Computerspiels noch realistischer aussehen? Diesen Fragen geht die Fraunhofer Gesellschaft auf mehreren Wegen nach. Sie versucht dem Betrachter die Dreidimensionalität von Gegenständen als real zu suggerieren, die in Wahrheit nur auf Monitoren existieren. Präsentationsmodelle von neu entwickelten Produkten oder Architekturentwürfe werden in Zukunft noch greifbarer erscheinen.Zum einen sorgt dafür ein neuer 3D-Display. Er funktioniert in etwa wie ein Hologramm: Die Oberfläche besteht aus vertikalen Streifen, die durch ihre leichte Wölbung je nach Position des Betrachters das Bild, das sich dahinter befindet, anders brechen. Schaut man von links auf dieses Bild sieht man etwas ganz anderes, als von rechts. Mit dieser Technik, kann der Betrachter beispielsweise durch das Drehen einer Postkarte ein abgebildetes Auge zwinkern lassen. Mit Hilfe dieses Tricks entstehen auch dreidimensionale Filme, es muss lediglich die gleiche Bildsequenz aus zwei verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen und entsprechend auf dem Bildschirm projiziert werden. Am 3D-Display sind zudem noch zwei Kameras angebracht, die die Position der Augen ermitteln. Sie sorgen dafür, dass die Oberfläche des Bildschirms die Bewegungen des Kopfes mitmacht, so dass immer der 3D-Effekt erhalten bleibt: Die Objekte scheinen sich tatsächlich im Monitor zu befinden.Mit einer anderen geradezu klassischen Technik funktioniert die digitale Litfasssäule. Hier sorgt die altbewährte Rot-Grün-Brille für den dreidimensionalen Effekt. Allerdings wird das Bild von Innen auf eine Säule projiziert. Der Betrachter hat nun die Möglichkeit, um das Objekt herumzugehen, wobei es auf jeden Blickwinkel reagiert und sich mitbewegt. Für den Betrachter ein ganz neues Realitätsgefühl, musste er doch bisher bei 3D-Projektionen das Objekt wie durch ein Fenster betrachten und konnte es nur mit Hilfe von Steuerungselementen bewegen. Stattdessen wird diese Art der Darstellung den natürlichen Interaktionsgewohnheiten des Menschen gerechter. Durch gerichteten Sound kann der visuelle Eindruck noch verstärkt werden.Das Augmented Reality (AR) Telescope stellt eine erweiterte Realität dar, indem es die reale Aussicht mit einer virtuellen Ansicht überlagert. Die vom Teleskop erfasste Szenerie wird mit einer Kamera gefilmt. Sensoren messen die Ausrichtung des Fernrohrs und informieren über die Blickrichtung des Betrachters. Vor seinem Auge wird eine Kopie des aufgenommenen Bildes projiziert, über das computer-generierte Grafiken gelegt wurden. Sichtbar wird so eine dreidimensionale Welt aus echten und virtuellen Bestandteilen. Mit dem Blick durch das AR Telescope können zum Beispiel Architekturprojekte äußerst realistisch visualisiert werden. Wie auch die digitale Litfasssäule wird zwar noch ein technisches Gerät direkt vor dem Auge benötigt, alle drei Experimente zusammen zeigen aber, das virtuelle Darstellungen, beispielsweise in Computerspielen, immer noch ein gehöriges Entwicklungspotenzial besitzen.