Große Frage: Wer ist in der Bundesrepublik für die Kultur zuständig? Klare Antwort: die Länder. Sagen die Länder. Doch nun hat der Bundestag die Entscheidung getroffen, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Künste in die Trägerschaft des Bundes zu übernehmen. Das geht zu weit, findet der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel und will vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Akademiegesetz klagen. Bitte nicht!, ruft ihm nun Adolf Muschg, Präsident der Akademie, in einem offenen Brief zu.

Er ist zu Recht heilfroh, den Finanzjongleuren der ewig klammen Hauptstadt entronnen zu sein. Sollten Sie mit Ihrer Klage durchdringen, so ginge der Akademie die Luft aus. Das Netz, in dem sie vorsorglich, nicht mutwillig vom Bund getragen wird, risse von heute auf morgen. Glauben Sie im Ernst, Berlin und Brandenburg könnten sie wieder auffangen? Sie stürzte in ein schwarzes Loch der Niemandszuständigkeit ab. Der erzföderalistische Schweizer Muschg verspricht dem Ländles-Vater im Gegenzug, sich nicht national gebärden zu wollen. In Zukunft wird es wohl noch mehr Fälle geben, in denen derjenige für die Kultur zuständig ist, der sie sich noch leisten kann oder will. Das ist kein neuer Zentralismus, sondern Pragmatismus, ohne den in Zeiten wie diesen nichts geht.