Wir haben uns besonnen. Wir sind nicht zurückgetreten. Wir haben unseren Fehler eingesehen und unseren Fehler eingestanden, aber dann sind wir doch nicht zurückgetreten. Wir haben nur geträumt, dass wir zurücktreten müssen. Es war ein schwerer Traum, voller Pressekonferenzen und Krisensitzungen. Wir dachten, jetzt ist wirklich Finis. Aber dann sind wir aufgewacht und haben uns in dem unaufgeräumten Zimmer umgesehen, in unserem unaufgeräumten Schlaf- und Dienstzimmer, mit all den ungelesenen oder zu spät gelesenen Akten, mit all den Porträts unserer ebenfalls nicht zurückgetretenen oder bald wiedergekommenen Vorbilder und Vorgänger, und da haben wir uns gefragt: Warum jetzt auf einmal Ordnung machen? Warum ausgerechnet in dieser schweren Morgenstunde die Versäumnisse von Monaten, wenn nicht von Jahren, Jahrzehnten einholen? Wer hätte das überhaupt jemals getan? Oskar Lafontaine etwa oder Helmut Kohl? Nur Mutti, wir erinnern uns noch gut an Mutti, Mutti hat uns immer zum Aufräumen angetrieben. Alle Bauklötzchen mussten weg! Aber damals war unser Schlaf- und Dienstzimmer auch noch ein Kinderzimmer. Heute ist die Bundesrepublik endlich erwachsen geworden und kann mit ihrem Anker-Steinbaukasten machen, was sie will. Merke: Ohne Baumaterial ist schlecht nation building machen. Im Irak sehen wir gerade, was dabei herauskommt, wenn alle Steinchen in Schutt und Asche geschossen worden sind. Im Irak hat Mutti wahrlich aufgeräumt. Das wird aber auch das letzte Mal gewesen sein, dass die Mutter der Nationen zum Großreinemachen kommt. Im Irak haben jetzt die Kinder frei gewählt, und freie Wahl heißt immer auch: Freiheit zur Unordnung. High sein, frei sein, etwas Terror muss dabei sein. So haben wir das in unserer Jugend genannt, und wer könnte daher besser als wir verstehen, was heute im Nahen Osten Not tut? Wir sind unersetzlich. Niemand kann den Wert der Unordnung ersetzen. Was Mutti auseinander sortiert hat, muss wieder zusammengewürfelt werden. Schluss mit der Isolationsfolter für Kriegsspielzeug! Wir können nicht zurücktreten, schon gar nicht im Namen der Verantwortung, die wir für die Fuchspanzer übernommen haben. Keine Macht den Albträumen! In Kürze werden wir noch ganz andere Dinge übernehmen. Denn für ein wahres Politikerleben ist niemals Finis