Nach dem Sturz des französischen Wirtschaftsministers Hervé Gaymard werden in Frankreich die Koordinaten für die Vergünstigungen von Politikern neu justiert. Angesichts der Aufregung um die 600-Quadratmeter-Wohnung der zehnköpfigen Großfamilie Gaymard hat Premier Jean-Pierre Raffarin jetzt angeordnet, dass jeder Minister maximal 80 Quadratmeter Dienstwohnung plus 20 Quadratmeter pro Kind beanspruchen kann. Für die Glaubwürdigkeit dieser Maßhalteappelle zeigt sich der neue Wirtschaftsminister Thierry Breton, 50, als besonders geeignete Symbolfigur. Der ehemalige Spitzenmanager des Telefonriesen France Télécom, der bislang 1,35 Millionen Euro jährlich verdiente, wird sein neues Staatsamt für 180 000 Euro jährlich ausüben. Zudem bleibt er in seinem gediegenen, aber nicht protzigen Stadthaus im 14. Pariser Arrondissement wohnen. Auch trennt sich Breton von sämtlichen Aufsichtsratsmandaten (Axa, Schneider, Thomson, Dexia), ebenso wie von seinen 11 000 Télécom-Vorzugsaktien. Selbst die zwei Jahre Managergehalt, die ihm nach dem Ausscheiden bei der Telefongesellschaft zustehen, lässt er großmütig verfallen. Doch am meisten halten ihm viele Franzosen zugute, dass er dies alles für ein womöglich nur zweijähriges Mandat in Kauf nimmt: Bei einem ungünstigen Ausgang der Präsidentschaftswahlen in 2007 könnte Breton nicht nur Jacques Chiracs neunter Wirtschaftsminister seit 1995, sondern auch sein letzter gewesen sein.