Sie sind Theaterregisseur, unterrichten aber auch Professoren an der Universität Bremen. Was wollen Sie denen beibringen?

Dass das Skript nicht das Einzige ist, worauf es bei einer Vorlesung ankommt.

Die meisten Akademiker wollen sich möglicht präzise ausdrücken und vergessen dabei, dass sie die Inhalte auch kommunizieren müssen. Wenn aber die Zuhörer einschlafen, bringt die brillanteste These nichts.

Und warum ein Theaterregisseur als Trainer?

Als Regisseur bin ich der erste Zuschauer, ich vermittle den Schauspielern, wie sie wirken. Und das tue ich auch bei den Akademikern. Wenn ich immer das Kinn hochhalte, wirkt das meist arrogant. Wenn ich auf einem Bein stehe, schnell unsicher. Schauspieler und Professoren haben prinzipiell das gleiche Problem: Sie müssen bei den Zuschauern eine Wirkung erzielen.

Der Hörsaal - eine Bühne?

Ich bin bei diesen Begriffen sehr vorsichtig. Viele denken: Aha, ein Regisseur, jetzt soll ich etwas vorspielen. Aber es geht nicht darum, in eine Rolle zu schlüpfen. Ein phlegmatischer Professor soll durch die zwei Tage Seminar nicht lernen, wie wild mit den Händen zu fuchteln und zu jedem Wort eine Geste parat haben. Er soll sich treu bleiben und authentisch rüberkommen. Doch Schauspieler und Professoren brauchen beide eine innere Spannung, ein Auftreten. Wenn Sie einen Hörsaal mit 400 Leuten betreten, kommt es erst mal darauf an, dass man Ihnen zuhört. Das ist im Theater nicht anders.