Italien wird nach Aussage von Ministerpräsident Silvio Berlusconi im September mit dem Abzug seiner Truppen aus dem Irak beginnen. Das Kontingent werde – in Abstimmung mit den Verbündeten – vor Ende des Jahres reduziert, sagte Berlusconi am Dienstagabend dem staatlichen Fernsehsender RAI. Zur Zeit hat Italien rund 3000 Soldaten im Irak stationiert und stellt damit nach den USA, Großbritannien und Südkorea das viertgrößte ausländische Kontingent."Wir werden im September beginnen, schrittweise die Zahl unserer Soldaten im Irak zu reduzieren, weil dies die öffentliche Meinung bei uns verlangt", sagte der italienische Regierungschef. In welchem Umfang die Truppen abgezogen würden, werde davon abhängen, ob die irakische Regierung es schaffe, "annehmbare Sicherheitsstrukturen" aufzubauen. Zugleich gab er bekannt, dass das italienische Parlament die Verlängerung des Irak-Mandats um weitere sechs Monate beschlossen habe. Die Opposition fordert weiter die Rückkehr der italienischen Soldaten und stimmte geschlossen gegen die Verlängerung des Irak-Einsatzes.Die große Mehrheit der italienischen Bevölkerung ist gegen den Irak-Einsatz. Seit dem gewaltsamen Tod des italienischen Geheimdienstagenten Nicola Calipari hat sich diese Stimmung noch verschärft. Der Agent war am 4. März von US-Soldaten im Irak unter bislang ungeklärten Umständen erschossen worden, nachdem er die Journalistin Sgrena nach einem Monat Geiselhaft bei ihrer Befreiung begleitet hatte.Die US-Regierung betonte, der Entschluss in Rom habe nichts mit dem tragischen Ausgang des Geiseldramas um die Journalistin Giulina Sgrena zu tun. Hierzu gebe es "keinerlei Verbindung", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Condoleezza Rice lobte den Bündnispartner: Die Italiener hätten "tapfer gedient bei der Unterstützung der Demokratie", sagte die US-Außenministerin bei einem Besuch in Indien. Sie vertraue darauf, dass jede Entscheidung so koordiniert werde, dass die Mission im Irak nicht gefährdet werde. Der Abzug der Italiener bedeutet jedoch einen weiteren Rückschlag für die von den USA geführte Koalition: Die Ukraine beginnt in dieser Woche mit dem Abzug ihrer Soldaten; auch die Niederlande beenden ihr Engagement in diesem Monat, und Polen will im Juli mit dem Rückzug beginnen.Die Irak-Frage spielt auch bei den anstehenden italienischen Regionalwahlen eine Rolle. Die für Anfang April geplanten Wahlen gelten als letzter Stimmungstest für die Parlamentswahl im Mai 2006. Berlusconi bekräftigte, bei der Wahl im kommenden Jahr wieder für das Amt des Regierungschefs kandidieren zu wollen.