Mozartscher nie als in Berlin: Von dort kam jüngst die Kunde, man habe aus den Tiefen der Gemäldegalerie und der Anonymität ein Bild gefischt, welches keinen Geringeren vorstelle als Wolfgang Amadeus Mozart, und zwar frontal, zur Zeit der Reife, ja Überreife, 1790 in München gemalt. Und was für ein Bild! Wir haben es, wie die taz zutreffend meldet, euphorisch begrüßt.

Gleichwohl mit Vorbehalt. Eine reißfeste Indizienkette war noch nicht geschmiedet - zudem war die Bühne offen zu halten für erwartbare Scharmützel unter Bilderforschern. Dankbar vermelden wir nun deren Beginn. Ging die Berliner Mozartisierung des Herrn im grünen Frack auf die Initiative eines Musikliebhabers zurück, so erwächst ihr jetzt grimmiger Widerstand eines Münchner Stadtarchivars: Keineswegs Mozart blicke uns hier an, sondern der Münchner Kaufmann Joseph Anton Steiner, zuzuordnen durch des Porträts Besitzerin bis 1934, eine Frau Steiner. Außerdem habe Mozart gar keine Zeit gehabt, einem so bedächtigen Maler wie Johann Georg Edlinger zu sitzen. Das bewährte Spannungsfeld zwischen Isar und Spree ist nun derart aufgeladen, dass der Kurator der Berliner Gemäldegalerie den Münchner Stadtarchivar am liebsten zum Duell fordern würde. Wer auch immer auf der Strecke bleibt: Mozart wird's nicht sein. Und Mozartscher war, wie gesagt, noch kein Porträt.

Wir halten es im Schiller-Jahr mit Goethe, den der Blick auf den vermeintlichen Schädel seines Dichterfreundes an jenes Meer entrückte, das flutend strömt gesteigerte Gestalten. Der Schädel war falsch, die Liebe echt. Sie blieb. In Salzburg ist das Mozart-Bild schon als Plakat geplant.