Für eine Überraschung ist Werner Müller immer gut. So war es, als er in Berlin Wirtschaftsminister war. Und so ist es geblieben, seit er die Geschicke des Essener Energie- und Chemiekonzerns RAG lenkt. Mit seinem Plan, die RAG an die Börse zu bringen, sorgt Müller für Furore.

Die RAG wäre ein feines Unternehmen - besäße sie nicht eine hässliche Tochter: die Deutsche Steinkohle AG (DSK), die vollständig am Tropf der Steuerzahler hängt. Als Energiepolitiker findet Werner Müller deutsche Steinkohle zwar gut - sie sei doch sehr sicher, sagt er gern. Als Unternehmenslenker aber kann er mit dem subventionsbedürftigen Ableger nichts anfangen. Ebenso wenig wie die Anteilseigner der RAG. Nicht einmal Dividende dürfen E.on, RWE und ThyssenKrupp kassieren, weil das Geld sonst der RAG für die Begleichung der Altlasten aus dem Bergbau fehlt.

Deshalb will Müller sich von der Steinkohle trennen und das Unternehmen dem Bund zuschustern. Als Mitgift lockt er mit dem Erlös aus dem Börsengang der RAG. Am Ende könnte der Manager die von der DSK befreite RAG so führen, als wäre sie ein ganz normales Unternehmen - während der Bund allein für die unkalkulierbaren Bergbaurisiken haftete.

Genau das ist der Haken an Müllers Plan. Denn niemand weiß, wie viele Milliarden Euro der Börsengang einbringt und wie lange sich damit die marode Steinkohle über Wasser halten ließe. Dass deren Förderung jemals Gewinne abwirft, glaubt sogar angesichts steigender Rohstoffpreise nicht einmal Müller selbst. Deshalb muss sich die Berliner Regierung dazu durchringen, die Subventionierung der Steinkohle definitiv zu beenden. Tut nicht Rot-Grün diesen Schritt, wird ihn hoffentlich die nächste Regierung machen.