hirnforschung Denker des DenkensSeite 3/3

Was sich allerdings bei Wolf Singer mit der Hoffnung auf ein »humaneres Menschenbild« verknüpft, erzeugt beim Publikum Angst vor der totalen neurobiologischen Kontrolle oder irritierte Abwehr. Als er vergangenes Jahr zum 50. Geburtstag von Angela Merkel den versammelten Politikern seine Thesen zur »Irrtumskultur« vortrug, zeigten die sich wenig einsichtig. Er habe aus Singers Vortrag gelernt, »dass Fünfjahrespläne unpraktikabel sind«, spottete Guido Westerwelle. »Mit Verlaub: Das wusste ich schon.«

Dass er sich mit seinen grenzüberschreitenden Thesen angreifbar macht, ist Singer bewusst. Doch der weltläufige Bayer ist souverän genug, sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Vor Auseinandersetzungen ist er noch nie zurückgeschreckt. Den Streit um die Notwendigkeit von Tierversuchen hat er ebenso wenig gescheut wie eine öffentliche Stellungnahme gegen den Irak-Krieg. Dabei ist er alles in allem ein eher verträglicher Mensch. Auch in den erbittertsten Debatten tritt er stets moderat und ruhig auf. Er setze eben, so bekennt er, auf die Macht verständlich vorgetragener Argumente.

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Dass er damit allerdings seiner eigenen These von der Beschränktheit der menschlichen Erkenntnisfähigkeit und der selbst organisierenden Macht kultureller Systeme in gewissem Maße widerspricht, macht ihn umso menschlicher.

 
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