In der Politik – und vielleicht nicht nur dort – kommt es weniger darauf an, was ist, sondern darauf, wie man es wahrnimmt, was man darüber denkt und vor allem: was man darüber redet. Und worüber hätte man in der jüngsten Zeit mehr geredet als über den bevorstehenden Gipfel zwischen dem Kanzler (plus seinem angeschlagenen Außenminister Fischer) und – ja wem? Dem Kanzlerkandidaten der Union? Den oder die gibt es noch nicht. Mit den Kanzlerkandidaten der Union? Aber Kanzlerkandidat – das kann doch nur einer oder eine sein? Also: Mit Angela Merkel und Edmund Stoiber – in welcher Eigenschaft auch immer.Ein merkwürdiges Treffen also! Kein Treffen der Parteivorsitzenden – dann müssten es doch wohl alle sein. Und Gerhard Schröder wie Joschka Fischer hätten dabei nichts verloren, sondern nur Franz Müntefering und Frau Sager wie Frau Göring-Eckart von den Grünen - Guido Westerwelle nicht zu vergessen, der aber von seinen künftigen gedachten Koalitionspartnern offenbar bewusst "vergessen" wurde. Kein Treffen auf "Kanzler(kandidaten)ebene" – dann hätte Joschka Fischer nichts dabei verloren und von der Union wäre nur eine Person gefragt gewesen; und ginge es nach der vorigen Bundestagswahl, hätte wiederum Guido Westerwelle dabei sein müssen – denn der war, wie erinnerlich – damals Kanzlerkandidat seiner Partei gewesen.Ein merkwürdiges Treffen steht uns also bevor – auch in der Sache. Denn leer ausgehen darf das Treffen nicht. Andererseits – ein richtig produktives Ergebnis haben kann das Treffen nicht. Und das aus mehreren Gründen:Erstens: Wenn sich in diesem Land wirklich etwas ändern sollte, dann müssten Dinge geschehen, die für die Anhänger aller Parteien eine Zumutung wären, den einen dieses, den anderen das. Dazu bräuchte man eine große Koalition, die für alle Partner der Zumutungen wenigstens den Bonus der Regierungsbeteiligung böte. Freilich: Weshalb sollte eine Union, die nicht nur den Wahlsieg 2006 sozusagen unmittelbar vor der Nase hat, sondern dann auch noch ein Regieren mit einer großen Mehrheit im Bundesrat auf ihrer Seite – weshalb also sollte die Union jetzt für ein gutes Jährchen sich in die Mithaftung unter einem Kanzler begeben, den sie doch alsbald ablösen möchte.Zweitens: Wenn sich in diesem Lande wirklich etwas ändern sollte, dann müssten die Beteiligten sich wirklich einig sein über den Kurs – und nicht bloß ein Kompromisschen hier, ein anderes dort. Aber an dieser Einigkeit fehlt es – und zwar nicht nur zwischen Regierung und Opposition, sondern schon innerhalb der Opposition selber. Denn jenes Zwischenhoch (siehe oben: es kommt nicht darauf an, was ist, sondern wie man es wahrnimmt), in dem sich die Regierung auch deshalb eine Weile wähnte, weil sie sich dorthin hineingeredet hatte – jenes Zwischenhoch hatte seinen Grund ja auch in dem heillosen Richtungsstreit innerhalb der Union (ich sage nur: Gesundheitsreform und Seehofer). Und wenn Stoiber und Merkel zu zweit zu Schröder kommen – was besagt dies anderes als eben das: Die Union steht weder sachlich noch personell geschlossen da.Schon deshalb also ist Vorsicht geboten bei allen Erwartungen auf den kommenden Donnerstag. Freilich hinterher wird es wiederum kaum darauf ankommen, was gewesen ist, sondern wie es wahrgenommen – und wie darüber geredet werden wird.Und jetzt warten wir erst einmal ab, was morgen der Bundespräsident zur Lage sagen wird, in einer Grundsatzrede. Ob er uns Neues zu sagen weiß oder das Bekannte – und wie das dann wahrgenommen wird, was wir schon kennen? Oder ob er sich schärfer artikulieren wird?