Geld aus, Schule aus. Im westfälischen Eringerfeld bei Paderborn muss eine Schule für Hochbegabte nach fünf Jahren schließen. Das Privatgymnasium Talenta betreute als einzige Schule in Deutschland ausschließlich Schüler, die trotz eines Intelligenzquotienten von 130 an aufwärts hinter den Leistungen ihrer Mitschüler zurückbleiben - so genannte Underachiever. Sie spielen den Klassenclown, sind hyperaktiv oder träumen im Unterricht. Viele weigern sich zu lernen.

Der Versuch, 86 Kinder mit 48 Pädagogen, Therapeuten und Betreuern zu umsorgen, konnte nicht finanziert werden. Die Kinder müssen jetzt wieder auf herkömmliche Schulen verteilt werden. Die Kombination von Begabung und fehlender Leistung wird aber selten akzeptiert, auf der Regelschule sind Underachiever deshalb oft Außenseiter. Helmut Blomenkemper von der Deutschen Gesellschaft für das hoch begabte Kind sagt: Sind die Problemschüler so weit, dass sie Leistung verweigern, brauchen sie eine sehr personalintensive Betreuung, um ihnen wieder Spaß am Lernen zu vermitteln.

Zunächst hatte die westfälische Unternehmensgruppe Dr. Kirchner die Talenta subventioniert, in der Hoffnung, dass sie als Sonderschule anerkannt und damit kräftiger vom Staat unterstützt würde. Doch es blieb bei einem staatlichen Zuschuss, der sich an den Zahlungen normaler privater Schulen orientierte - der aber reicht für Klassen von nur acht Schülern, für Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag und individuelle Förderung nicht aus.

Ein Sprecher des NRW-Bildungsministeriums sagt dazu: Die Schule hätte sich auch für normale Schüler oder andere Hochbegabte öffnen sollen. In Nordrhein-Westfalen vertritt man den so genannten integrativen Förderansatz.

Hochbegabte werden an Regelschulen in normalen Klassen unterrichtet, bekommen aber spezielle Förderung in Extrakursen und Arbeitsgemeinschaften mit zusätzlichem Lernstoff oder können Klassen überspringen.

Den Underachievern fehle vor allen Dingen eine Lobby, die sich dafür einsetze, das Potenzial von hoch begabten Problemkindern auszuschöpfen, sagt Blomenkemper. Das nämlich koste mehr Zeit und Geld als bei leistungswilligen Hochbegabten.