Die aus irakischer Geiselhaft freigelassene italienische Journalistin Giuliana Sgrena hat sich in einem Appell an die Entführer ihrer französischen Reporterkollegin von Libération Florence Aubenas gewandt. Im französischen Fernsehen bat Sgrena am Samstag um "Milde" für Aubenas. "Lassen Sie sie frei", forderte die 56-jährige Journalistin. Ihre eigenen Entführer hätten täglich im Koran gelesen, der den Respekt vor der Frau verlange. "Ich bitte Sie, den Islam zu achten und Florence Aubenas freizulassen", sagte Sgrena. Der Herausgeber von Libération Serge July ist nach Bagdad gereist, um sich für ihre Freilassung einzusetzen. Er will drei Tage in der irakischen Hauptstadt bleiben, und sich dort auch mit der Familie des Übersetzers Hussein Hanun al Saadi treffen. Er war am 5. Januar zusammen mit Aubenas beim Verlassen ihres Hotels in Bagdad von Unbekannten entführt worden. "Es ist vor allem ein symbolischer Besuch", sagte der Chefredakteur der Tageszeitung, Antoine de Gaudemar, dem Sender France-Info am Freitagabend. "Wir wollen Florence zeigen, dass wir da sind." Das letzte Lebenszeichen der Journalisten stammt vom 1. März. Ein Video, auf dem die abgehärmte und blasse Frau um Hilfe bittet, war vor dem Büro einer Nachrichtenagentur abgelegt worden.