Es wäre in dieser Tragödie schon ein Trost, wenn man aufhörte, Ursache und Wirkung zu verwechseln. Es sind die Besatzungssoldaten im Irak und die irakischen Sicherheitskräfte, die normalerweise zum Ziel von Selbstmordattentätern und Heckenschützen werden. Giuliana Sgrena ist nicht von den Amerikanern entführt worden, sondern von islamistischen Terroristen, denen es völlig egal war, dass sie ausgerechnet eine profilierte Kritikerin der Besatzung gefangen genommen hatten.

Dass sie in der Stunde der auch in unserer Redaktion so ersehnten Befreiung von den Amerikanern beinahe getötet worden ist, klingt wie ein besonders bösartiger Treppenwitz der Geschichte. Den Amerikanern ist deswegen viel vorzuwerfen. Dass sie aber die ZEIT- Mitarbeiterin und ihre beiden italienischen Begleiter ermorden wollten, um sich lästiger Zeugen zu entledigen – diese grassierende Verschwörungstheorie ist so widersinnig wie schädlich.

Die Umstände der Schießerei sind Skandal genug. Was ist das für eine stümperhafte Besatzungspolitik, unter der offenbar schlecht ausgebildete, panische Soldaten im Zweifel auf alles schießen, was sich bewegt? Präsident Bush hat Aufklärung versprochen. Da wüsste man gern, welche Vorschriften, welche Vorsichtsmaßnahmen die US-Soldaten bei ihren Kontrollen beachten müssen. Wie viele unschuldige Iraker schon für Selbstmordattentäter gehalten wurden. Warum im Falle von Giuliana Sgrena und ihres getöteten Befreiers, Nicola Calipari, die Patrouille nicht zu wissen schien, was Vorgesetzten wenige hundert Meter entfernt längst mitgeteilt worden war. Bleibt diese Aufklärung aus, gibt es keine Entschuldigung. Mit einem Unglück könnte man sich vielleicht abfinden. Mit imperialer Arroganz nicht.