Genau das hatte man von Sony schon 1999 erwartet: Doch damals war Nissan der erste japanische Großkonzern, der einen Ausländer an die Spitze holte. Die Geschichte ist heute Legende. Der gebürtige Libanese Carlos Ghosn verwandelte den bankrotten Autohersteller binnen weniger Jahre zu einem der profitabelsten Unternehmen seiner Branche. Nun folgt Sony als zweiter japanischer Firmenriese dem einst von seinem Gründer Akio Morita entwickelten und für Japan immer noch ungewöhnlichen Prinzip, Ausländer ins Top-Management zu befördern - der Waliser Sir Howard Stringer, 63, steht ab sofort an der Spitze des Elektronik- und Filmkonzerns. Mit seinem glücklosen Vorgänger Idei Nobuyuki, 67, treten gleich sieben von zehn Vorstandsmitgliedern zurück, um eine Rundumerneuerung zu ermöglichen. Die aber wird nun von einem Mann des TV- und Filmgeschäfts geführt werden: 30 Jahre verbrachte Stringer beim Fernsehsender CBS News, bevor er 1997 bei Sony einstieg und das vom Hollywood-Studio Sony Pictures geprägte US-Geschäft des Konzerns übernahm.

Unter Stringer verwandelte sich das Studio vom Sorgenkind zur Cashcow des Konzerns. Nun aber wird der Waliser im alten Kerngeschäft, der Unterhaltungselektronik, aufräumen müssen. Seit der Erfindung des Walkmans und der CD fehlen Sony hier neue Ideen. Schon der Riesenerfolg der Playstation beruhte weitgehend auf externer Software. Die Entwicklung hin zu Flachbildschirmen und MP3-Geräten wurde verschlafen, entsprechend sanken Gewinne und Aktienkurs. Heute wiegt Sony an der Börse nur noch halb so viel wie der Konkurrent Samsung aus Korea. Dennoch genießt die Marke Sony noch Weltruf. Also abwarten, ob Stringer das Nissan-Wunder wiederholen kann.