Die russischen Kugeln trafen den tschetschenischen Rebellenführer Aslan Maschadow in einem grauen Dorf mit einem hässlichen Schul- und Verwaltungsgebäude. Doch der Ort trägt den romantischen Namen Tolstoj-Jurt. Das hat etwas Symbolisches. Der 53-Jährige hatte noch Tolstoj gelesen und die klassische Literatur über den Kaukasus, sprach perfekt russisch. In Kasachstan geboren, wohin Stalin die Tschetschenen deportierte, stieg der Angehörige des "unzuverlässigen" Volkes zum Oberst der Sowjetarmee auf, diente in Fernost, Ungarn und dem Baltikum.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Überfall Jelzins auf Tschetschenien 1994 brachte Maschadow als Kommandeur in Grosnyj den russischen Exkameraden empfindliche Niederlagen bei. Aber der Mann, der leise sprach, ein milder Muslim war und ein harter, doch kompromissbereiter Gegenspieler, suchte in Moskau stets einen Partner für langfristige Friedenslösungen. Er fand ihn 1996 im legendären General Lebed, mit dem er den Krieg beendete. Die Tschetschenen wählten Maschadow zum Präsidenten. Doch die eigenen Warlords Bassajew und Radujew untergruben seine Autorität bald mit Terroranschlägen.

Wladimir Putin nahm den Krieg wieder auf, was ihm zum Sieg bei den Präsidentenwahlen verhalf. Seitdem war Moskau nicht mehr zu echten Verhandlungen bereit. Maschadow rieb sich auf zwischen Friedensofferten und Kampfansagen, Distanzierung vom Terror und Solidarisierung mit den fanatischen Feldkommandeuren. Er war der letzte Mohikaner. Nun übernimmt die Generation der Fundamentalisten. Sie kennen keine Russen mehr, nur noch Okkupanten. Mit ihnen bekommt Putin, was er verdient.