Ein Mann salutiert vor Otto Schily mit Hitlergruß: Heil Otto! Der Ofen ist bereit. Im Hintergund werden Exemplare einer Zeitung in einen Verbrennungsofen geschoben. Otto Schily trägt eine Krawatte mit Hakenkreuz und stützt seinen Arm auf ein Exemplar von Mein Kampf, während er einen Erlass unterzeichnet. Seine Augen haben die Form von Davidsternen. Die türkische Zeitung Vakit überzieht Schily Tag um Tag mit Hass, seit er am 25.

Februar die bei Frankfurt ansässige Yeni Akit GmbH verboten hat, den europäischen Vertrieb der Zeitung.

Täglich prangt das Foto des deutschen Innenministers seither auf der Titelseite der Vakit, flankiert von Hakenkreuzen. Dass Schily zugleich als Marionette der Zionisten, sprich Juden, dargestellt wird, mutet bizarr an.

Aber die Leugnung des Holocaust als Erfindung der Juden und die Rechtfertigung islamistischen Terrors als Selbstverteidigung sind das Kerngeschäft der Vakit. Schilys Verbot ist ohne Zweifel rechtens, und es war lange überfällig.

Die wachsame Islamismus-Expertin der CDU, Kristina Köhler, hatte das Verfahren mit einer Strafanzeige ins Rollen gebracht. Sie wurde darauf selbst verleumdet. Köhler ist zu Recht beunruhigt, dass Vakit in der Türkei weiterhin ungehindert Volksverhetzung betreiben darf.

Auch der deutsche Botschafter in Ankara, Wolf-Ruthard Born, spricht von einer Schande für die Türkei. Der seriöse Mainstream der türkischen Presse will das Problem nicht sehen. Oktay Eksi, die prominenteste Stimme der größten türkischen Zeitung Hürriyet und Vorsitzender des türkischen Presserates, hat sich gar vor Vakit gestellt und Schilys Verbot einen Justizmord genannt. Vakit ist ein hässliches Randphänomen der türkischen Gesellschaft. Aber man darf beunruhigt sein, wenn die Mitte sich unwillig zeigt, ihm entgegenzutreten.