Als die Wächter am Montag im Hochsicherheitsgefängnis von Manila das Frühstück ausgeben wollten, wurden sie von den Häftlingen überwältigt. Die Inhaftierten nahmen ihnen die Waffen ab und kontrollierten fortan das Gefängnis, in dem bis zu 470 Häftlinge untergebracht sind, von denen nach unterschiedlichen Angaben 100 bis 150 mutmaßliche Mitglieder der Gruppe Abu Sayyaf sind. Bei der Revolte kam es zwar nicht zu einem Ausbruch, aber drei Wachmänner und zwei Gefangene starben. Die Aufständischen verhandelten anschließend mit prominenten philippinischen Politikern, verlangten zunächst ihre persönliche Unversehrtheit und einen baldigen Prozess. Nach Regierungsaussagen scheiterten die Verhandlungen aber immer weiteren Forderungen. Nach dem Ablauf eines Ultimatums stürmten deshalb am Dienstag etwa 300 Polizisten das Gebäude, wobei weitere 22 Häftlinge ums Leben kamen.Unter den Getöteten befanden sich auch vier Anführer der Abu Sayyaf, die seit 14 Jahren für Entführungen und Anschläge im Süden des Inselstaates verantwortlich ist. Washington sagt der Rebellengruppe Kontakte zum Terrornetzwerk Al Kaida nach. Besonderes Aufsehen erregte diese mit den Geiselnahmen von westlichen Touristen. Tahir Abdul Gafar entführte als Commander Kosovo im Jahr 2001 drei US-Bürger. Zwei von ihnen wurden später ermordet. Ghalib Andang, der sich Commander Robot nannte, ist hierzulande bekannt, weil er ein Jahr zuvor 21 Menschen von der malaysischen Ferieninsel Sipadan verschleppte. Unter ihnen befand sich auch die deutsche Familie Wallert. Im Verlauf der Entführung kidnappte er außerdem den Spiegel-Reporter Andreas Lorenz. Insgesamt dauerte es 139 Tage bis die Gefangenen freigelassen wurden. Der libysche Präsident Gaddafi vermittelte damals zwischen den Parteien. Anscheinend zahlten die westlichen Staaten pro Geisel mindestens eine halbe Million Euro. Mithilfe des Geldes baute die Abu Sayyaf ihre Kampfkraft aus, während die philippinische Armee, unterstützt durch die westlichen Staaten, den Terroristen den Kampf ansagte. Die Abu Sayyaf hat ihr Zentrum vornehmlich auf den Inseln Jolo und Basilan im Süden der Philippinen. Die Gruppe kämpft für die Unabhängigkeit der muslimischen Region von Manila. Die meisten ihrer Anhänger rekrutierte sie aus der nationalen Befreiungsfront MNLF, die 1996 ein Friedensabkommen mit der Regierung unterzeichnet hatte. Viele von ihnen sammelten bereits in Afghanistan Kampferfahrungen. Ziel der Abu Sayyaf ist die Gründung eines muslimischen Gottesstaates. Dazu gehört auch die Beseitigung aller katholischer Symbole in den muslimischen Gemeinschaften und das Fischfangverbot ausländischer Flotten in den Gewässern von Basilan und Sulu.