Borussia Dortmund muss keine Insolvenz anmelden. Die Eigentümer des Immobilienfonds Molsiris stimmten am Montagnachmittag einem Sanierungskonzept des Vereins zu. Damit ist die Zukunft des einzigen börsennotierten deutschen Fußballunternehmens, der Borussia Dortmund GmbH & Co. KgaA , zunächst gesichert. Am Dienstag muss der BVB wie alle Bundesliga-Vereine seine vollständigen Unterlagen für die Lizenzierung der Bundesliga-Saison 2005/2006 bei der Deutschen Fussball-Liga in Frankfurt einreichen.

Auf einer außerordentlichen Versammlung der Commerzbank-Tochter Molsiris in Düsseldorf votierte am Nachmittag eine deutliche Mehrheit der Anleger für den Antrag des BVB. Der enthält einen Sanierungsvorschlag, mit dem der Verein Stadionsanteile von Molsiris zurückkaufen und seine Liquidität erhalten kann. Unter anderem erklärten sich die Anteilseigner bereit, dem Verein Mietzahlungen für das Stadion für die Jahre 2005 und 2006 zu stunden.

Bardepot wird aufgelöst

Vor Beginn der Verhandlungen hatten zahlreiche der 5800 Anteilseigner angekündigt, sie wollten für das Konzept stimmen. Andere Anleger hatten sich dagegen gegen den Vorschlag des BVB-Managements entschieden, weil sie ihre Einlagen in den Immobilienfonds sichern wollten. Damit der BVB keine Insolvenz anmelden muss, mussten 75 Prozent der anwesenden Anleger den Sanierungsplan billigen. Die Idee der BVB-Führung: Der Verein kauft  42,8 Prozent des von dem Fonds gehaltenen Anteils am Dortmunder Westfalenstadion zurück. Dafür zahlt der Verein 43 Millionen Euro. Das Geld erhält der BVB aus einem zur Absicherung der Anleger hinterlegten Bardepot von insgesamt 52 Millionen Euro. Dieses Bardepot ist bislang zur Sicherung des ursprünglich für 2017 vorgesehenen Rückerwerbs des Stadions verpfändet.

Erst 2002 hatte der BVB das Stadion zu 94 Prozent an Molsiris verkauft. In einem Leasingverfahren wollte der Verein die Arena innerhalb von fünfzehn Jahren lastenfrei zurückkaufen. Die Leasingraten belasten das Vereinsbudget jedes Jahr mit rund sechszehn Millionen Euro. Mit den restlichen neun Millionen Euro, die nach dem Rückkauf der Stadionanteile aus dem Bardepot kämen, will Borussia den laufenden Spielbetrieb in dieser Saison finanzieren. Ohne dieses Geld hätte dem BVB die Zahlungsunfähigkeit gedroht.

Gläubiger gewähren Aufschub

Borussia hatte im Februar die erste Hälfte des laufenden Geschäftsjahres mit einem Verlust von 54,8 Millionen Euro beendet. Bis zum Ende des Geschäftsjahres hatte der Verein mit einem Minus von 68,8 Millionen Euro gerechnet, sollten die Sanierungspläne nicht greifen. Dem Verein war es 2004 nicht gelungen, hohe Verluste mit Kostensenkungen zu verhindern. Zwar sanken die Ausgaben für das Personal zum zweiten Mal in Folge deutlich auf 23,2 Millionen Euro. Doch weil der BVB sich in der vergangenen Saison nicht für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren konnte und erhoffte Einnahmen aus Spielertransfers ausblieben, war die Gesamtleistung - die Summe aus Umsatz und "sonstigen betrieblichen Erträgen" - des Clubs um fast ein Viertel auf 39,3 Millionen Euro eingebrochen. Diese Verluste reduzierten das BVB-Eigenkapital auf 51,4 Millionen Euro. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 27,4 Prozent.

Mitte Februar hatte der BVB deshalb nach monatelangen Spekulationen eine "existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation" gemeldet. Nur einen Tag nach der spektakulären Mitteilung stimmten die Finanzgläubiger des Vereins jedoch einem Sanierungskonzept zu. Sie räumten dem BVB bis zum Geschäftsjahr 2006/07 Aufschub für Zinsen und Tilgung für Altkredite ein. Ohne die positive Entscheidung der Molsiris wäre dieser Plan jedoch nicht  tragfähig gewesen. (kpm.)