Entgegen vieler Erwartungen hat die Deutsche Bundesbank im vergangenen Jahr einen Gewinn von 676 Millionen Euro erzielt. Das teilte die Notenbank am Dienstag in Frankfurt mit. Die Bank überraschte mit diesem Ergebnis zahlreiche Fachleute. Sei waren davon ausgegangen, dass die Bundesbank 2004 gar keinen Gewinn machen werde; einige vermuteten sogar, die Notenbank werde Verlust machen. Im Vergleich zu 2003 ist der Gewinn jedoch sogar gestiegen. Damals verbuchte die Bundesbank einen Jahresüberschuss von 248 Millionen Euro.

Allerdings fällt der Gewinn aus dem vergangenen Jahr vergleichsweise klein aus. 2002 hatte die Bundesbank beispielsweise einen Überschuss von 5,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Gewinn der Bundesbank ist ein wichtiger Posten für den Bundesfinanzminister, denn er fließt in voller Höhe in den Bundeshaushalt. Finanzminister Hans Eichel (SPD) hatte bei den Haushaltsberatungen für 2005 allerdings einen wesentlich höheren Wert als den nun erzielten Gewinn angenommen. In das Haushaltsgesetz hatte Eichel einen Bundesbankgewinn von zwei Milliarden Euro geschrieben. Nun muss er nach neuen Wegen suchen, um die Differenz zwischen Annahme und Ergebnis zu schließen.

Der vergleichsweise geringe Gewinn der Bundesbank rührt aus Verlusten der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Zentralbank, deren größter Kapitaleigner die Bundesbank ist, musste für das vergangene Jahr ein Minus von 1,64 Milliarden Euro ausweisen und belastet mit diesem Ergebnis die Bilanz der Bundesbank. Der Verlust der EZB lässt sich auf den gestiegenen Euro-Kurs zurückführen; der Euro legte 2004 gegenüber dem amerikanischen Dollar um acht Prozent zu. Wegen des schwachen Dollar seien zum Jahresende hohe Abschreibungen von 2,4 Milliarden Euro auf Devisenreserven erforderlich gewesen, teilte die Bundesbank nun mit. Aus Gold-, Dollar- und Wertpapiergeschäften realisierte die Notenbank dagegen Gewinne in Höhe von 191 Millionen Euro. Die wichtigste Quelle für den Bundesbankgewinn waren die Zinserträge in Höhe von 4,9 Milliarden Euro. (kpm.)