Das vom chinesischen Volkskongress beschlossene Anti-Abspaltungsgesetz, das Taiwan im Falle einer formellen Abspaltung mit Krieg droht, hat international Besorgnis ausgelöst. Die US-Regierung bezeichnete das Gesetz am Montag als "unglücklich". Die Europäische Union zeigte sich besorgt, dass durch das Gesetz die jüngsten Zeichen einer Annäherung beider Seiten wieder zunichte gemacht werden könnten. Der Volkskongress in Peking hatte das umstrittene Gesetzt am Montag zum Abschluss seiner Plenartagung mit überwältigender Mehrheit gebilligt."Die Europäische Union fordert alle Seiten auf, jede einseitige Handlung zu vermeiden, die die Spannungen verstärken könnte", heißt es in einer am Montagabend in Brüssel veröffentlichten Erklärung der EU-Ratspräsidentschaft, die derzeit von Luxemburg wahrgenommen wird. Die EU forderte China und Taiwan auf, zu einem "konstruktiven Dialog" zurückzukehren. Bereits zuvor hatte sich die EU-Kommission gegen eine Veränderung des derzeitigen politischen und militärischen Gleichgewichts in Asien ausgesprochen.Das Gesetz sei "nicht hilfreich für die Stärkung des Friedens und der Stabilität in der Region", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, am Montag in Washington. Keine Seite sollte einseitige Schritte unternehmen, die die Spannungen erhöhten.Das vom chinesischen Volkskongress verabschiedete Gesetz gibt der Militärkommission und dem Staatsrat die Vollmacht zum Militärschlag, falls sich Taiwan formell als unabhängig von China erklären sollte. Dennoch beteuerte Ministerpräsident Wen Jiabao, es sei "kein Kriegsgesetz", sondern ziele vielmehr auf eine friedliche Wiedervereinigung. Taiwan sprach von einer "Provokation".