Musa Hilal, der als hochrangigster Anführer der Dschandschawid-Milizen in Darfur gilt, konnte im September 2004 in Khartum einige Stunden lang von Mitarbeitern von Human Rights Watch befragt werden. Dabei erklärte Hilal, die sudanesische Regierung hätte sämtliche militärischen Aktivitäten der Milizen, die von ihm rekrutiert worden waren, geleitet. "Alle aktiven Mitglieder werden von erstklassigen Armeekommandeuren angeführt“, erzählte er Human Rights Watch in einer Videoaufzeichnung. "Diese Menschen bekommen ihre Befehle von der westlichen Kommandozentrale und von Khartum."

"Musa Hilal widerlegt schlichtweg die Behauptung der Regierung, dass sie "keine Verbindung' mit örtlichen Milizen hat", meinte Peter Takirambudde, Direktor der Afrika-Abteilung von Human Rights Watch . Die sudanesische Regierung hatte behauptet, alle Gräueltaten in Darfur wären den "Dschandschawid-Banditen" zuzuschreiben und auf die wiederkehrenden ethnischen Zusammenstöße in Darfur zurückzuführen, bei denen sich die Regierung "neutral" verhalten würde.

"Wir können nun beobachten, wie sich die beiden für Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur verantwortlichen Parteien gegenseitig die Schuld zuschieben", erklärte Takirambudde. "Musa Hilal ist ein gefährlicher Mann für die sudanesische Regierung. Seine Aussage könnte für den Internationalen Strafgerichtshof sehr interessant sein."

Obwohl zahlreiche Augenzeugen in Musa Hilal jenen Milizenführer erkennen, der für einige der brutalsten Angriffe in Darfur verantwortlich war, leugnet er auf dem Video seine Führungsrolle und behauptet, seine Gefolgsleute hätten keine Verbrechen begangen.

Jedoch beschrieben einige von Human Rights Watch interviewte Augenzeugen, wie Musa Hilal mit seinen Gefolgsleuten im Januar 2004 zwei Mal auf den zentralen Markt in Kebkabiya in Nord-Darfur kam und der Menschenmenge von den großartigen "Siegen" seiner Milizen gegen Rebellengruppen in Randgebieten erzählte. Die Augenzeugen berichteten, dass Musa Hilal nicht nur in Uniform und bewaffnet auftrat, sondern auch behauptete, seine Gefolgsleute bei diesen militärischen Siegen angeführt zu haben.

Musa Hilals Gruppen rekrutierten sich ursprünglich aus Stammesangehörigen in Nord-Darfur und waren einige Jahre lang rund um Kebkabiya aktiv, wo Human Rights Watch im Oktober 2004 Untersuchungen anstellte.

Viele Zeugen in Kebkabiya erzählten Human Rights Watch vom Aufenthaltsort und über die Aktivitäten der Gruppen Musa Hilals. Sie berichteten, das Lager von Hilals Milizen läge im Ort Misteriya in der Nähe von Kebkabiya, wo er und Hassim Mangari von der sudanesischen Armee das Kommando hatten. Musa Hilal ist dafür bekannt, Frauen gefangen zu nehmen und sie bei Jebel Jur (was "Hungerberg" bedeutet) westlich von Misteriya festzuhalten. Viele dieser Frauen sind bis heute nicht wiedergekehrt.