Für die deutsche Exportwirtschaft beginnt das neue Jahr erfreulich. Nachdem die Ausfuhren im zweiten Halbjahr 2004 zurückgegangen waren, steigen die Zahlen nun wieder. Das unerwartet große Wachstum nährt Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung im ersten Quartal dieses Jahres. Im Januar führten deutsche Unternehmen Waren im Wert von 60,7 Milliarden Euro aus - 9,5 Prozent mehr als vor einem Jahr, berichtete das Statistische Bundesamt. Im Vergleich zum Dezember 2004 nahmen die Exporte um 6,1 Prozent zu.

Angesichts dieser Zahlen rechnen Fachleute damit, dass Deutschland auch in diesem Jahr die Liste der Exportländer anführen wird. Das Wirtschaftswachstum nährt sich gegenwärtig zu großen Teilen aus den Ausfuhren, weil der private Konsum nicht zugenommen hat und die meisten Unternehmen kaum investieren. Im ersten Quartal werde der Export einen positiven Wachstumsbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt liefern, lautet deshalb die Prognose.

Die deutschen Einfuhren stiegen im Januar um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 47,5 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vormonat Dezember betrug das Plus 6,6 Prozent. Der Überschuss in der Außenhandelsbilanz kletterte von 10,7 Milliarden Euro im Dezember auf 13,2 Milliarden Euro im Januar.

Schröder dämpft Erwartung auf Konjunkturprogramm

Trotz dieser positiven Exportzahlen wird sich die Konjunktur in Deutschland aber nur schwach entwickeln. Das Münchner ifo-Institut rechnet weiterhin mit einem Wachstum von 1,2 Prozent. Unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union werde Deutschland abermals die schwächste Konjunkturentwicklung erleben, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Lediglich Länder wie Rumänien und Bulgarien hätten noch niedrigere Raten. "Auch Deutschland hat derzeit einen kleinen Aufschwung, er befriedigt uns nicht, weil er zu schwach ist."

Anders als andere Forschungsinstitute, die in den vergangenen Tagen ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr gesenkt hatten, hält das ifo-Institut an seiner Prognose fest. Das Weltwirtschaftsinstitut geht dagegen nur noch von 0,6 Prozent (0,8 Prozent) aus, das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle von 1,1 Prozent (nach 1,3) und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen von 1,0 Prozent (nach 1,3). Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Annahme von 1,6 Prozent Wachstum.

Konjunkturprogramme, wie sie gegenwärtig vor allem in Reihen der Koalition diskutiert werden, halten die Wissenschaftler für wenig förderlich. Bei dieser Frage war es zu Irritationen gekommen. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte bei der Eröffnung der Computermesse Cebit eine in einem Redemanuskript enthaltene Ankündigung "zusätzlicher Maßnahmen" später in der Rede nicht mehr erwähnt. Nun dämpfte Regierungssprecher Béla Anda abermals die Erwartungen an eine mögliche Wachstumsinitiative. Schröder habe die Minister zwar um Vorschläge für Maßnahmen gebeten, sagte Anda am Donnerstag. Um welche Vorschläge es sich handele, ließ er aber weiter offen.