Die EU-Außenminister haben Kroatien offiziell vorgeworfen, nicht mit dem Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zusammengearbeitet zu haben. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben deswegen beschlossen, die Beitrittsverhandlungen mit Kroatien, die am Donnerstag beginnen sollten, auf unbestimmte Zeit zu verschieben. In einer Erklärung schreiben die Minister, die Zusammenarbeit mit dem Gericht sei "eine unerlässliche Voraussetzung" für eine engere Zusammenarbeit mit der EU. Acht der fünfundzwanzig EU-Mitglieder sprachen sich allerdings gegen die Verschiebung aus.

Die EU bemängelt, dass der ehemalige kroatische -General Ante Gotovina bisher nicht festgenommen und an das von den Vereinten Nationen eingesetzte Tribunal ausgeliefert wurde. Ihm wird die Ermordung von 150 und die Vertreibung von 150.000 Serben im Jahr 1995 vorgeworfen.

Wann die Verhandlungen nun beginnen sollen, ist offen. Der ursprüngliche Zeitplan sieht vor, dass Kroatien 2009 Mitglied der EU werden soll. Der britische Außenminister Jack Straw sagte, er halte Verhandlungen im Juli für möglich, sofern Kroatien zuvor beweise, dass es mit dem Gericht zusammenarbeite. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn, der derzeitige Vorsitzende des EU-Ministerrates, sagte: "Die Tür, die für Kroatien nach Europa führt, ist offen und bleibt offen."

Kroatiens Regierungschef Ivo Sanader hatte zuvor gesagt, seine Regierung wisse nicht, wo sich Gotovina aufhalte. Er hatte angeboten, die EU solle Beobachter nach Zagreb entsenden, die sich über die Bemühungen zur Ergreifung Gotovinas informieren könnten.