Omar Karami, vor zehn Tagen zurückgetretener Ministerpräsident des Libanons, könnte schon bald wieder die Regierung des Landes leiten. Der Politiker, dessen Kabinett als prosyrisch angesehen wurde und der nach heftigen Protesten zurücktreten musste, wird von einer Mehrheit der Parlamentsabgeordneten unterstützt. Aus dem Umfeld des ehemaligen Ministerpräsidenten war zu hören, dass er ein Angebot, eine Regierung der nationalen Einheit zu führen, voraussichtlich annehmen werde.

Karami soll an diesem Donnerstag nominiert werden. Er hatte in der vergangenen Woche die Konsequenzen aus den massiven Protesten gegen seine Regierung gezogen. Auslöser der Demonstrationen war der Mord an Karamis Vorgänger im Amt und politischem Gegenspieler, Rafik Hariri. Die Demonstranten machten Syrien und die Regierung Karamis für den Anschlag am 14. Februar verantwortlich. Nach den tagelangen Protesten der Opposition hatten am Dienstag dann mehrere hunderttausend Hisbollah-Anhänger die prosyrische Regierung gestützt.

Syrer ziehen langsam ab

Unterdessen setzte Syrien die vereinbarte Truppenverlegung in den Osten Libanons in kleinen Schritten fort. Dutzende Lastwagen mit Soldaten und Ausrüstung sollen in Richtung der Bekaa-Ebene und der syrischen Grenze gefahren sein. Ein Korrespondent der Deutschen Presseagentur berichtete jedoch, dass am Mittwochnachmittag auf der Hauptverbindungsstraße zwischen Beirut und der syrischen Grenze kaum Militärfahrzeuge zu sehen gewesen seien. Der scheidende libanesische Verteidigungsminister Abdel Rahim Murad bestätigte den Beginn des Abzugs. Zunächst sollen 6000 Soldaten in die näher an der syrischen Grenze gelegene Bekaa-Ebene verlegt werden.  Der syrische Botschafter in Washington, Imad Moustapha, sagte, die Truppen seines Landes würden Libanon in einer zweiten Phase noch vor den für Mai geplanten Wahlen verlassen. Das hatte Präsident George W. Bush gefordert.