Abermals sind Hunderttausende Menschen protestierend durch die Straßen Beiruts gezogen. Einen Monat nach dem Mordanschlag auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri forderten sie einen vollständigen Abzug Syriens aus ihrem Land. Abermals versammelten sich die Menschen auf dem Märtyrer-Platz. In Sprechchören  verlangten sie Aufklärung darüber, wer den Anschlag auf Hariri verübt hat; auf Plakaten begehrten sie nach "Wahrheit" über das Attentat. Die libanesische Opposition macht den syrischen Geheimdienst für den Mord verantwortlich.

Opposition gegen Rückkehr Karamis

Augenzeugen sagten, die Demonstration sei der größte Protest seit dem Bombenanschlag auf Hariri gewesen. Organisatoren des Protests sprachen von einer Million Teilnehmer. Vor einer Woche hatten prosyrische Kräfte eine ähnlich große Demonstration in Beirut zusammengebracht.

Noch während die Menschen demonstrierten bekräftigten Oppositionsführer, sie seien nicht bereit, sich an einer Regierung der nationalen Einheit unter dem zurückgetretenen und dann wieder neu benannten Ministerpräsidenten Omar Karami zu beteiligen. Sie wollen auch keinen Dialog mit dem designierten Ministerpräsidenten führen. Präsident Emile Lahoud hatte öffentlich vor weiteren Demonstrationen gewarnt. Solche Auseinandersetzungen könnten zu einer Katastrophe führen, sagte der Präsident. Bisher sind die Proteste friedlich verlaufen. Einheiten der Armee waren am Rande der Kundgebung mit Panzerfahrzeugen aufgefahren. Der Märytrer-Platz wird seit Wochen vom Militär bewacht.

Syrien: Abzug bis Mai

Die Opposition warf Lahoud vor, er verhalte sich nicht neutral und sei gegen politische Veränderungen. Der Präsident rufe zum Dialog auf, während weiter der Polizeistaat regiere. "Lahouds Rede beweist, dass er Teil der Krise in diesem Land ist", wurde der zur Opposition zählende Parlamentsabgeordnete Fares Soueid zitiert. Politiker und Demonstranten beklagten zudem, dass einen Monat nach dem Mord an Hariri noch immer keine Details der Tat bekannt seien. Seit dem Morgen waren die Protestierer in das Zentrum Beiruts geströmt. Junge Leute fuhren in hupenden Autokorsos mit wehenden Fahnen durch die Stadt. Der Märtyrer-Platz und umliegenden Straßen waren voller Demonstranten, die auch aus anderen Teilen Libanons angereist waren. Banken und Universitäten in Beirut waren wegen der Proteste geschlossen.

Unterdessen hat Syrien angekündigt, seine Truppen noch vor den für Mai geplanten Wahlen aus dem Land abzuziehen. Das sagte Staatsministerin Buthaina Schaaban dem Nachrichtensender CNN. Schon bis Ende dieses Monats soll nach Zeitungsberichten ein Drittel der etwa 14.000 syrischen Soldaten Libanon verlassen. Auch ein Drittel der 5000 syrischen Geheimdienstmitarbeiter soll dann das Land verlassen haben. Das Hauptquartier des syrischen Geheimdienstes in Beirut soll geschlossen werden.