Die Regierung Pakistans hat zum ersten Mal zugegeben, dass Nukleartechnologie aus ihrem Land an den Iran weitergeben worden ist. "Ja, Abdul Qadeer Khan hat das Zentrifugensystem an Iran geliefert", sagte Informationsminister Sheikh Rashid Ahmed am Donnerstag in Islamabad. Dennoch schloss Ahmed aus, dass Khan von Ermittlern anderer Staaten oder einer internationalen Untersuchungsgruppe befragt wird. Der Wissenschaftler hat in der Vergangenheit als Erster Atombomben für sein Heimatland entwickelt und gilt deshalb als "Vater der islamischen Bombe". In Pakistan wird er von vielen als Volksheld verehrt.

In der Vergangenheit hatte die pakistanische Regierung immer bestritten, sie habe von illegalen Geheimgeschäften Khans mit Nukleartechnologien gewusst. Khan war Chefentwickler des pakistanischen Atomwaffenprogramms. Im Januar vergangenen Jahres hatte er die Verantwortung für illegale Lieferungen an Iran, Libyen und Nordkorea übernommen. Wegen seiner Verdienste um die nationale Sicherheit war Khan daraufhin vom pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf begnadigt worden. Die Vereinigten Staaten hatten Pakistan zur restlosen Aufklärung des Skandals aufgefordert.

Khan hatte mit seinem öffentlichen Geständnis Regierung und Armee entlastet. Die Armee hatte im fraglichen Zeitraum zwischen 1989 und 2000 die Kontrolle über Khans Atomforschungslabors. Der 1935 im indischen Bhopal geborene Wissenschaftler hatte die Labors bis 2001 geleitet und war dann zum wissenschaftlichen Berater der Regierung ernannt worden. Im Zuge des Skandals verlor er diese Posten.

Khan, der mit einer Niederländerin verheiratet ist, studierte in Karachi, West-Berlin und Delft bei Den Haag. 1970 begann er, bei einem Zulieferer des deutsch-britisch-niederländischen Zentrifugenbauers Urenco zu arbeiten. Von Urenco soll Khan Blaupausen für Zentrifugen zur Urananreicherung gestohlen haben, bevor er sein Institut östlich von Islamabad gründete. In einem Spionageprozess verurteilte ein Amsterdamer Gericht den Wissenschaftler 1983 in Abwesenheit zu vier Jahren Haft. Das Urteil wurde aber nie rechtskräftig.