Sudan Keine Einigung über Sanktionen
Die UN warnen, im West-Sudan könnten Tausende von Menschen sterben. Der Sicherheitsrat diskutiert über Sanktionen
Der Weltsicherheitsrat kann sich nicht darauf einigen,
Sanktionen gegen den Sudan zu verhängen. Nach Einschätzung der Vereinten Nation
sind in dem afrikanischen Land gegenwärtig mehr Menschenleben gefährdet als in
irgendeiner anderen Region. Regelmäßig kommt es zu umfangreichen
Menschenrechtsverletzungen. Dem Sicherheitsrat liegt der Entwurf für eine
„technische“ Resolution vor. Mit ihr soll das am Donnerstag ablaufende Mandat
für die politische UN-Mission um eine Woche verlängert. Mit der Verabschiedung
des Entwurfs wird jedoch noch gerechnet. Sie gibt dem höchsten
UN-Entscheidungsgremium mehr Zeit, die Streitpunkte zu klären.
In diplomatischen Kreisen hieß es dazu, dass Russland, China und Algerien
bisher nicht den von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Sanktionen
zustimmen. Die USA sind für ein Waffenembargo gegen alle Seiten im
Darfur-Konflikt. Außerdem sieht der von ihnen eingebrachte Resolutionsentwurf
ein Reiseverbot für die Verantwortlichen der Massenmorde in der
westsudanesischen Krisenprovinz und das Einfrieren ihrer ausländischen Konten
vor.
Geteilter Meinung ist der Weltsicherheitsrat auch in der Frage, wie die
Verantwortlichen für das seit zwei Jahren anhaltende Morden und Vergewaltigen
in Darfur verfolgt werden sollen. Zwölf der fünfzehn Ratsmitglieder wollen den
Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mit der Aufgabe betrauen. Die
Vereinigten Staaten haben den Strafgerichtshof bislang jedoch nicht anerkannt.
Deshalb schlägt Washington ein weiteres internationales Tribunal in Arusha in
Tansania vor. Dort werden schon Strafverfahren wegen des Völkermords in Ruanda geführt.
China und Algerien lehnen jede Strafverfolgung durch eine internationale
Instanz ab und halten die sudanesische Gerichtsbarkeit für ausreichend.
Unterdessen warnt der UN-Hilfskoordinator Jan Egeland vor einem Massensterben
und Leiden von vielen Millionen Menschen in Sudan, wenn das Land nicht umgehend
mehr internationale Hilfe bekomme. Über sechs Millionen Menschen seien aus
ihren Dörfer vertrieben worden, sagte Egeland. „Das sind fünf Mal so viele
Menschen wie die Betroffenen der Flutwelle am Indischen Ozean“. Die Gräueltaten
der von Khartum unterstützten arabischen Reitermilizen in Darfur haben nach
Einschätzung von Egeland bereits Hunderttausende Menschenleben gefordert. Die
offizielle Zahl von 70 000 Toten sei unrealistisch, sagte er.
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- Quelle (c) ZEIT.de, 10.3.2005
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