Im größten Bilanzfälschungsskandal der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte ist der ehemalige Chef des Telekommunikationsunternehmens Worldcom, Bernard Ebbers, schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Ebbers als einer der Hauptverantwortlichen von den massiven Bilanzfälschungen wusste, die Worldcom 2002 in den Gläubigerschutz trieben. In den Bilanzen des Konzerns waren Fehlbuchungen über elf Milliarden Dollar aufgedeckt worden.

Das Bundes-Geschworenengericht in New York befand den 63-Jährigen der Verschwörung, des Betrugs und des Einreichens falscher Dokumente bei den Aufsichtsbehörden für schuldig. Ihm drohen bis zu 85 Jahre Haft. Das Urteil soll am 13. Juni verkündet werden. Die Verteidigung kündigten Berufung an.

Ebbers, der seine Karriere als Milchmann und Basketball-Trainer begann, hatte stets seine Unschuld beteuert. Kronzeuge der Anklage war Scott Sullivan, einst ein enger Berater von Ebbers. Sullivan hatte den Betrug nach anfänglichem Leugnen im März 2004 zugegeben. Das Gericht hatte ihm eine mildere Strafe zugesagt, wenn er gegen Ebbers aussagt. Das Strafmaß für Sullivan steht allerdings noch nicht fest. Sullivans Aussagen sind die einzige Verbindung zwischen Ebbers und den Verbrechen. Insgesamt stehen sechs Manager wegen des Worldcom-Skandals vor Gericht. Außer Ebbers haben sich alle schuldig bekannt.

Die Bilanzbetrügereien wurden im Sommer 2002 offenbar. Worldcom brach daraufhin zusammen, 20.000 Mitarbeiter verloren Arbeit und Pensionsrücklagen, die Worldcom-Aktien wurden wertlos, Investoren büßten 180 Milliarden Dollar ein.

Ebbers hatte die von ihm 1983 gegründete Telefongesellschaft durch mehr als sechzig Zukäufe innerhalb von 19 Jahren zum zweitgrößten Telekomkonzern der Vereinigten Staaten gemacht. Das Unternehmen setzte bis zu 35,2 Milliarden Dollar um. Dennoch gelang es dem Konzern nicht, die von Analysten in Aussicht gestellten Wachstumsraten einzuhalten. Um einen Kurseinbruch der Aktien zu verhindern, frisierte das Unternehmen die Bücher. Inzwischen ist das Unternehmen saniert und stark geschrumpft als MCI Inc. wieder am Markt.