Geschichte Kettenreaktion der GeschichteSeite 3/3
Solche Warnungen vor Fehl- und Überinterpretationen gab es etliche, auch von einigen derer, auf die der Autor sich heute beruft. Warum ließ er sich nicht beirren? Karlsch, ein – wie man so sagt – »abgewickelter«, aber bislang als seriös geschätzter Forscher, konnte seine Arbeit nicht im Rahmen gutachterlich abgesicherter Wissenschaftsverhältnisse verfolgen und schloss daher einen Pakt mit dem Teufel: mit Fernsehproduzenten und einem skrupellos agierenden Buchverlag. Nur so lässt sich erklären, dass der Autor irgendwann dazu überging, die Leistung seiner Archivarbeit durch unseriöses Vorgehen zu entwerten, etwa durch Anleihen aus der Verschwörungsliteratur.
Der krasseste Fall sind die Bodenproben, auf die er sich beruft. Die ersten wurden entnommen und analysiert von Leuten, die sich schon in früheren Fällen mit Verschwörungstheorien lächerlich gemacht haben. Der im Buch als Zeuge angeführte Forscher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt hat deren Material ebenfalls analysiert und tatsächlich erhöhte Aktivität gefunden – woraufhin er aber erst einmal selbst loszog, um eigenhändig Proben zu ziehen. Sein Ergebnis steht indessen noch aus. Kein Wort davon in Hitlers Bombe.
Sei’s drum: »Das Deutsche Reich stand kurz davor, den Wettlauf um die erste einsatzfähige Atomwaffe zu gewinnen«, dröhnt die Deutsche Verlags-Anstalt. Auch ein Beitrag zum 60. Jahrestag des Kriegsendes. Gero von Randow
- Datum 17.03.2005 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 17.03.2005 Nr.12
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






