Feindbild Osten Höllische Schwärme, unreine FlutSeite 5/5
Heute, 15 Jahre nach der Implosion des Warschauer Paktes, schwelen die alten Brandreden weiter – und wir fürchten uns vor »Ostkriminellen«, der russischen Mafia und ukrainischen Zwangsprostituierten. (Wer sind übrigens, ganz nebenbei gefragt, eigentlich deren Kunden?)
Doch nach all den Katastrophen des 20. Jahrhunderts wäre es wahrlich eine absurde Pointe der Geschichte, wenn jetzt, da die große Chance endlich da ist, auf die Europa vier lange Jahrzehnte der Teilung und des Kalten Kriegs hindurch gehofft hat, aus tagespolitischem Zank heraus alte Feindbilder wieder Macht über unser Denken und Handeln gewönnen. Und zu der großen Chance gehört eben auch Reisefreiheit, Bewegungsfreiheit, wer wüsste das besser als die Deutschen selbst? Viele Ukrainer sind in den Westen gekommen, haben hier gesehen, was Demokratie bedeutet. Zurück in der Heimat, haben sie sich mit ihrer Orangenen Revolution vom Kutschma-Regime befreit. Ihr Sieg strahlt heute weit über die postsowjetischen Staaten bis in den arabischen Raum. Europa kann stolz darauf sein – und Deutschland sollte bei dem Wort Freiheit nicht gleich wieder den Mut verlieren.
Der Autor ist Historiker und lehrt an der Universität München
- Datum 17.03.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 17.03.2005 Nr.12
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