Anderen musikalischen Genres gegenüber besitzt der zu Unrecht etwas aus der Mode gekommene Minimal Techno noch immer den Vorteil, dass man selber an seiner Textur mitweben kann. Statt einen mit Wänden von Sound zu überwältigen, Kompressoren ins Spiel zu bringen und andere Geschmacksverstärker, beschränkt er sich auf die klassischen Elemente der Computermusik. Was auch geschieht - und manchmal ist das fast nichts -, es scheint im eigenen Kopf zu passieren. Darin ist Techno noch immer ein Agent des Neuen, ein legitimer Erbe der Avantgarde.

Auf Minimize to Maximize führt Richie Hawtin, altgedienter und schon länger in Berlin ansässiger Techno-DJ aus Detroit, die Riege derjenigen an, die versuchen, mit ihrem Apple Notebook skelettierte Sounds noch weiter zu reduzieren und damit zurück an die Quelle des Ausdrucks zu bringen: das Geräusch. Ganze 36-mal schlägt bei ihm ein metrumartiger Beat, bevor sich im treffend Circles betitelten Eröffnungstrack die erste Modulation einstellt - ein flatternder Sound im Hintergrund.

Je häufiger man sich die Kompilation anhört, desto mehr rückt das Einzelne in den Vordergrund, wird etwa der kleine Sprung, den Hawtin sein Metrum machen lässt, zum Ereignis: Es wirkt, als würde das eigene Herz für eine Moment aussetzen. Und seine Mitstreiter - etwa der viel gefeierte Newcomer Mathew Jonson aus Kanada - arbeiten mit vergleichbar kargen Mitteln. Der Meister stellt sein Label Minus zur Verfügung und unterstützt, aber nur unter einer Prämisse: Reduce to the Max.

So wird auf Minimize to Maximize mit gedrosselter Apparatur an der Rehabilitierung des Maschinenbeats gearbeitet. Längst stammen die Klänge nicht mehr aus externen Klangquellen, sie werden von Festplatten abgerufen, die die historischen Rhythmus- und Bassmaschinen der japanischen Firma Roland einem weiteren Bearbeitungsprozess unterziehen. Einzig Mathew Jonson, der die Zusammenstellung beschließt, hat sich etwas aus dem Fenster gelehnt: Sein Track ist nicht tastend und auf Experimente aus, sondern vorhangdicht und fast zu groovy, um als minimal durchzugehen. Der Rest ist eine klanggewordene Meditation über das Phänomen der Reduzierung. Und eine Belehrung darüber, dass die Zukunft im eigenen Kopf stattfindet.

Richie Hawtin: Minimize to Maximize

(Minus 25 CD)