Sollte sich ein Arzt oder medizinisch geschultes Personal an Bord befinden, melden Sie sich bitte bei den Flugbegleitern." Was passiert, wenn nach einer solchen Durchsage niemand aufsteht? Zehntausend Meter über dem Atlantik auf dem Weg nach New York zum Beispiel. Dann müssen die Stewardessen ihr Erste-Hilfe-Wissen einsetzen und hoffen, dass der kranke Passagier bis zum nächsten Flughafen durchhält. Ernsthafte akute Erkrankungen während der Reise nehmen mit steigenden Passagierzahlen weltweit zu. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete Anfang Februar, dass jährlich etwa 2500 Menschen an Bord von Flugzeugen sterben.

Im Lufthansa-Flugtrainingszentrum in Frankfurt am Main proben Mediziner für den Ernstfall. Sie üben Herzdruckmassage und künstliche Beatmung im engen Gang der Economy-Class, versorgen Asthmatiker mit Medikamenten und Sauerstoff, erkunden den Inhalt des Notfallkoffers. "Wir amüsieren uns über unsere eigene Ungeschicklichkeit in diesem ungewohnten Umfeld", sagt ein Teilnehmer des zweitägigen Kurses, der selbst jahrelang auf einer Intensivstation gearbeitet hat.

Noch ist die Veranstaltung eher ein PR-Gag von Pharmafirmen, die Ärzten eine interessante und abwechslungsreiche Fortbildung bieten wollen. Doch könnten die Fluggesellschaften künftig Anreize schaffen, immer speziell qualifizierte Mediziner an Bord ihrer Flugzeuge zu haben. Darauf hofft zumindest Edgar Bührle, der ärztliche Leiter von Flying Doctor, einer Organisation, die Trainings zur Notfallmedizin im Flugzeug anbietet. Er ist einer der Initiatoren des Kurses. "Wir verhandeln mit den Airlines, damit sie den Ärzten zusätzliche Bonusmeilen, den Aufenthalt in der Lounge oder zehn Kilo mehr Gepäck gewähren." Das Institut für angewandte Notfallmedizin Medifan, das schon seit einigen Jahren Lufthansa-Mitarbeiter schult, ist für die Kurse verantwortlich. Jetzt versucht es mit den Ärzten einen neuen Kundenkreis zu gewinnen.

An den flugbegeisterten Doctores lässt sich auch verdienen, denn die Schulungen kosten etwa 600 bis 800 Euro – eine internationale Haftpflichtversicherung inbegriffen. Der Kurs ist spannend, die Rollenspiele sind lehrreich, vor allem weil die Trainer Krankheitsfälle täuschend echt spielen. "Mir ging es eigentlich immer schlechter, doch der Arzt hat mich ständig gesundgeredet", moniert hinterher der simulierende Patient. Der Höhepunkt des Reality-Trainings ist die Evakuierung aus der Attrappe eines Jumbojets mit brennenden Turbinen.