Schule Versuch macht klugSeite 2/2
Doch wo können Schüler schon in Zweiergruppen mit eigenem Experimentierkasten samt Geigerzähler arbeiten und dabei gleich mehrere Fachleute mit ihren Fragen löchern? Da kann der beste Lehrer nicht mithalten. Einige klagen daher, die Labore pickten sich nur die Rosinen aus dem Kuchen. Manche weigern sich sogar, mit ihren Klassen ein Schülerlabor zu besuchen, weil sie fürchten, von den Spezialisten bloßgestellt zu werden.
Die Integration von Schule und Forschung war daher auch ein zentrales Thema der Hamburger Tagung. Schließlich erreichen die 230 Schülerlabore in Deutschland nur einen Bruchteil der Schüler, obwohl sie oft auf Jahre ausgebucht sind. Um mehr Breitenwirkung zu erzielen, sollen deshalb jetzt verstärkt Multiplikatoren angesprochen werden. Das Forschungsinstitut Borstel in Schleswig-Holstein etwa bringt erst die Lehrer in der Biotechnologie auf den neusten Stand, bevor sie bei einem späteren Besuch selbst ihre Schüler bei den Experimenten anleiten. Auf keinen Fall nämlich wollen die Initiativen als Lückenbüßer für einen vernachlässigten Unterricht in den Naturwissenschaften herhalten. »Die Schülerlabore dürfen nicht dazu missbraucht werden, Defizite in den Schulen auszugleichen«, warnt Manfred Euler.
Langsam scheint sich diese Arbeit auch auf den wissenschaftlichen Nachwuchs auszuwirken. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zum Beispiel hat sich die Zahl der Studienanfänger im Fach Chemie verdoppelt, seit am »NaT-Lab« regelmäßig Schüler forschen. Noch sind es vor allem Universitäten und Großforschungszentren, die ihre Labore öffnen. Erst nach und nach entdeckt die Industrie das Modell. Gerade hier sieht Manfred Euler noch großes Potenzial: Immerhin sei die Industrie auf den Nachwuchs angewiesen. Das Modell, fehlende Fachleute aus dem Ausland zu beziehen, sei jedenfalls gescheitert: »Wenn im eigenen Land die Visionen fehlen, helfen auch keine indischen Programmierer.«
- Datum 17.03.2005 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 17.03.2005 Nr.12
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







