Computerspiele Schlachten in der Cyber-WeltSeite 7/7
Über vier Millionen registrierte Spieler gibt es bereits, einige davon spielen über 40 Stunden in der Woche. Dass es sich dabei um Rekrutierungsversuche handelt, ist nicht zu übersehen. Die Army versucht jedoch eine subtile Verbindung zwischen Unterhaltung und Krieg herzustellen, eine Verbindung, welche die guten Gefühle eines Erfolges in der virtuellen Welt mit der realen Kriegswelt verknüpft. Eine Verbindung, die man leicht übersehen kann. Nach dem Turnier in College Station zeigten Sergeants der Army den Spielern echte Waffen, den besten Spielern boten sie gleich einen Job an.
Für die Soldaten, die sich zum Krieg gemeldet haben, entwickelt ein kalifornisches Labor in einem Vorort von Los Angeles im Auftrag des Pentagon bereits Videospiele, die Soldaten in Taktik, Strategie und Teamwork ausbilden sollen. Programmierer, Wissenschaftler, Hollywood-Regisseure und Drehbuchschreiber arbeiten am Institute of Creative Technology an der nächsten Generation von Computerspielen. An noch besseren 3D-Grafiken und Geschichten, an noch intensiverem Licht und Sound, an noch eindrucksvolleren Charakteren und Gefühlen. Am Ende werden die virtuellen Menschen mit Gefühlen auf die Handlung und die Spielzüge der realen Menschen reagieren können, der Unterschied zwischen virtueller Realität und Realität wird noch geringer werden. Eine kommerzielle Version des Trainingsspiels Full Spectrum Warrior ist bereits im Angebot. Preiswerter kann man sich auf einen Krieg nicht vorbereiten.
Vielen Computerspielern ist diese Rekrutierungsstrategie der Armee zuwider. Ihre Antwort auf den Versuch des Militärs, die Spiele für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren: Sie manipulieren die Programme, installieren kleine Botschaften an den Wänden der virtuellen Kampfgebiete. »Grafische Interventionen« nennt eine Gruppe amerikanischer Counterstrike- Spieler namens Velvet Strike diese Graffiti. Als Protest gegen den weltweiten Antiterrorkrieg der USA und ihrer Verbündeten bieten sie auf Websites militärkritische Slogans an.
In Dallas wird David sein Spiel gegen die Nummer sieben an diesem Tag verlieren. Er ahnt nicht, dass er auf einem von der Armee gesponserten Server spielt. Wenn er es viel später erfährt, wird er an den Film Bowling for Columbine und Michael Moore denken und daran, dass die Amerikaner manchmal schon ziemlich krass sind. Und er wird das tun, was in der echten Welt Spaß macht. Mit ein paar Leuten, die er kennen gelernt hat, stundenlang in einem Einkaufszentrum in Dallas herumlaufen, 150 Dollar für Klamotten ausgeben und Mädchen hinterher gucken. Zwischen den Computern gibt es ja kaum welche. Und er wird Maurice erzählen, wie alles war. Der hat in Deutschland gerade seinen Zivildienst begonnen.
- Datum 21.11.2006 - 11:13 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 17.03.2005 Nr.12
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