Den gemeinen Hollandradtrampler wird es nur wenig erregen. Den schaltfaulen Cityradler schon eher. Erst recht aber den technikaffinen Edelbiker. In der Welt des Fahrrads ist etwas Sensationelles passiert: Es gibt ab sofort im Handel voll automatische und von einem Bordrechner kontrollierte Fahrräder.

Sie schalten selbst, knipsen bei Dämmerung automatisch die Lampen ein und passen die Federung der Fahrweise an. Sie haben wie Autos ein Bordnetz für die Stromversorgung und beziehen den benötigten Saft aus einer Lichtmaschine.

Schon seit Jahrzehnten hatte die Fahrradindustrie nach Innovationen für den guten alten Drahtesel gesucht. Viel mehr als wasserdichte Packtaschen, Helme mit Ohrwärmern und Leichtbaurahmen, die 1,47 Euro pro Gramm kosten, war ihnen nicht eingefallen. Doch jetzt hat ein Komponentenhersteller, der japanische Spezialist Shimano, das Tor zur Fahrradzukunft weit aufgestoßen. Sein System Smover (smart way of moving) ist der Schlüssel dazu.

Smover wird von Shimano verschiedenen Herstellern als Paket offeriert, einschließlich der werkseigenen Schaltung und gewisser Designvorschriften. So kommt es, dass das Vollautomatikrad gleichzeitig von Gazelle, Kettler, Kogamiyata, Kalkhoff und anderen angeboten wird. Äußerlich ist kaum etwas Besonderes zu entdecken. Ein etwas größeres Display als bei üblichen Fahrradcomputern thront auf dem Lenkervorbau, in dem neben Geschwindigkeit, Uhrzeit und zurückgelegter Strecke auch der aktuelle Gang und die an einem Schalter vorgewählte Belastungsstufe (leicht - mittel - schwer) abzulesen sind. Das wirkliche Hirn jedoch, in dem aus der aktuellen Geschwindigkeit die Daten für die Gangwahl und die Federung errechnet werden, sitzt entweder unter dem oder sogar im unteren Rahmenrohr.

Die neue Shimano-Achtgang-Nabenschaltung wird von der Automatik recht sanft genutzt, zum Fahren bedarf es keinerlei Einweisung. Man hat sich innerhalb einer Minute daran gewöhnt, nie mehr schalten zu müssen. Und denkt der Computer einmal anders als der Fahrer, kann Letzterer die Automatik - wie beim PKW - auch selbst in die Hand nehmen. Doch besonders, wer sich bisher mit einer über zwei Schalter zu steuernden Kettenschaltung und ihren 24 (niemals ganz genutzten) Gängen herumschlagen musste, wird die Automatik genießen. Überaus angenehm ist, dass man sich um müde und teuer zu ersetzende Akkus nicht kümmern muss - der Strom kommt aus einem 3,4-Watt-Nabendynamo.

Damit er nicht vergeudet wird, waren die Entwickler ziemlich gefordert.

Winzige Motörchen schalten mit kleinsten Kräften. Und das Licht kommt - wo es geht - aus verbrauchsarmen Leuchtdioden.