Phnom Penh

Am Mekong in Phnom Penh kann man für wenig Geld ein paar Spatzen kaufen und in die Freiheit fliegen lassen. Laut Buddha bringt das Glück. Im Chaktomouk-Theater keine hundert Meter flussabwärts hingegen werden demnächst - in Prozessen, die viele Millionen Dollar kosten werden - lebenslange Haftstrafen verhandelt.

Nach einem im Oktober 2004 ratifizierten Abkommen Kambodschas mit den Vereinten Nationen wird hier das Khmer-Rouge-Tribunal tagen. Diese Sonderstrafkammer soll, besetzt mit drei kambodschanischen und zwei internationalen Richtern, die Führer der Roten Khmer zur Verantwortung ziehen, die unter dem Gewaltregime Pol Pots von 1975 bis 1979 rund 1,7 Millionen Kambodschaner umbrachten: ein Viertel der Bevölkerung, darunter alle Ärzte, Architekten, Ingenieure, Lehrer, Mönche und Juristen.

Ein Theater als Gerichtssaal, das entbehrt nicht der Ironie. In dem Gebäude wurden schon 1979 unter der Regie der damaligen vietnamesischen Besatzer Kambodschas der Bruder Nummer eins Pol Pot und sein Mitstreiter Ieng Sary in Abwesenheit in einem Schauprozess wegen Völkermords zum Tode verurteilt.

Auch das neue Khmer-Rouge-Tribunal könnte leicht zur Farce geraten - wenn es überhaupt noch stattfindet. Denn China ist an Aufklärung seiner Unterstützung der maoistischen Massenmörder nicht interessiert. Auch der kambodschanische Premierminister Hun Sen und einige Kabinettskollegen waren selbst führende Rote Khmer, bevor sie 1977 zu den Vietnamesen überliefen.

Kein Wunder also, dass bislang nur zwei führende Rote Khmer verhaftet wurden und seit sechs Jahren in einem Militärgefängnis in Phnom Penh sitzen. Es handelt sich um den als einbeiniger Schlächter berüchtigten General Ta Mok und um Kang Kek Ieu (Duch), den geständigen Direktor des berüchtigten Gefängnisses Tuol Sleng, wo schätzungsweise 14 000 bis 20 000 Menschen zu Tode gefoltert oder von dort auf die killing fields vor den Toren Phnom Penhs gebracht wurden. Beide sind über 70 und erleben einen Prozessbeginn vielleicht nicht mehr.

Die übrigen Rote-Khmer-Führer hingegen leben unbehelligt im Lande und erdreisten sich, den Massenmord oder zumindest ihre Kenntnis davon in Interviews und Biografien zu leugnen und so die Überlebenden zu verhöhnen: Ieng Sary beispielsweise - Schwager Pol Pots, Außenminister, 1996 als Erster zur kambodschanischen Regierung übergelaufen, 1997 formell amnestiert, heute in der Rote-Khmer-Hochburg Pailin im Diamantengeschäft tätig. Oder Nuon Chea - einst Bruder Nummer zwei in der Hierarchie des Regimes, Präsident des Zentralkomitees und der Mann, der Kang Kek Ieu die Hinrichtungsbefehle gab.