Soeben hatten wir noch auf die endgültige Niederlage des Teufels gehofft, auf seine Bekehrung und Erlösung, schrieb der italienische Religionshistoriker Arturo Graf Ende des 19. Jahrhunderts - mit leichter Ironie, wie der folgende Satz nahe legt: Da zeigt sich ein gänzlich neues Hindernis, woran die Theologen nicht gedacht haben, ja, das sie leugnen würden, selbst wenn sie daran gedacht hätten - der Teufel liegt im Sterben, wenn er nicht bereits gestorben ist. - Wie dem auch sei oder besser: war - heute zeigt sich der Teufel wieder putzmunter. Allerdings vor allem dort, wo wir es wohl erst bei längerem Nachsinnen vermuten würden: im Zentrum der allein selig machenden Kirche, in Rom.

Von dort kommt die bisher erfreulichste Nachricht über die Krisenwelt der Hochschulen: Die päpstliche Universität Gregoriana richtet ein neues Studienfach ein, das als Aufbaustudium mit dem Master abgeschlossen werden kann. Das Fach hat die ehrwürdige Bezeichnung Exorzismus, zeigt sich aber von Grund auf reformiert. Soziologie, Psychologie, Ethnologie, Philosophie (und nur ein bisschen Theologie) bilden das moderne, interdisziplinäre Konzept. Der Lehrinhalt ist mit Teufelsaustreibung nicht wirklich falsch übersetzt. Aber zunächst geht es wie bei allen innovativen Wissenschaften um Abgrenzung von Nachbardisziplinen. Nicht alle Formen von Besessenheit erweisen sich am Ende als Werk des Teufels, erläutert die Gregoriana mit seriöser Nüchternheit. Zudem seien alle Studenten Männer, was aber nicht als Diskriminierung des weiblichen Geschlechts gelten dürfe. Zum Ausgleich seien nämlich zwei Drittel der Befallenen Frauen.

Hier bietet sich ein Vorbild für manches stagnierende Studium in Deutschland, aber auch eine Lösung im Streit um das Antidiskriminierungsgesetz. Künftig sollte Diskriminierung nicht geahndet, sondern als objektiver Reflex auf einen objektiven Tatbestand begriffen werden. Damit wäre man ganz im Schoß der mütterlichen Kirche angelangt, denn Frauen - so erläutert die Gregoriana - seien allein deswegen mit einem deutlich höheren Anteil unter den Befallenen verzeichnet, weil sie sich objektiv als anfälliger für die Versuchungen des Teufels erwiesen.

Wie gut, dass es ein durchschlagendes Mittel gibt, den Teufel zum Verlassen seiner Opfer zu zwingen: exorzistische Gebete und Drohungen. Diese bedürften allerdings des Lateinischen. Denn der Teufel weicht nur dieser Sprache.

Vatersprache nannte sie der Philologe Curtius einst in offenbar guter Kenntnis der hier angedeuteten Zusammenhänge. Latein war, ist und bleibt die Sprache aller Autoritäten. Wäre nur noch die Frage zu klären, wie der Teufel von den Toten auferstehen konnte. Eine Imitatio Christi kommt kaum infrage, auch der Zustand unserer Welt wird ihn nicht hervorgelockt haben. Der ist wohl geordnet, jeder an dem Platz, der ihm (und ihr) gebührt. Bliebe nur Latein als Grund für seine Rückkehr. Ergo: lernt vom Teufel! Latinum für alle, die ihm folgen wollen!