Präsident George W. Bush will zum großen Reformschlag ausholen: Nach und nach soll das staatliche Rentensystem in den USA vom Umlageprinzip auf Kapitaldeckung umgestellt werden. Nur mit der Kapitaldeckung, so das Argument der Regierung, könne die staatliche Rente auf Dauer gesichert werden. Sollte sie ihren Plan tatsächlich umsetzen, könnten sich die Finanzdienstleister freuen, da sie später einmal die milliardenschweren privatisierten Alterssicherungsfonds gegen einen ordentlichen Obolus verwalten würden. Für sie wäre es ein gutes Geschäft.

Doch ob die künftigen Rentner von der Reform profitieren würden, ist keineswegs sicher. Denn auch die Kapitaldeckung ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine Garantie für sichere Renten. So sah sich Konrad Adenauer gezwungen, in seiner Regierungserklärung von 1953 eine umfassende Rentenreform anzukündigen. Der Grund: Die Renten lagen rund 70 Prozent unter den Durchschnittslöhnen. Schuld war nicht das Umlageverfahren, sondern das seit Bismarck praktizierte Kapitaldeckungsverfahren in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Während die aktiven Arbeitnehmer vom beginnenden Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre profitieren konnten, hatten Inflation, Weltwirtschaftskrise und die Währungsreform den Wert des angesparten Rentenvermögens drastisch reduziert. Adenauer war klar: Wenn er die Rentner weiter vom Wirtschaftswachstum ausschloss, würde er die nächste Wahl verlieren. Um das zu verhindern, boxte er 1957 das Gesetz zur Einführung der dynamischen Rente durchs Parlament. Praktisch über Nacht stiegen dadurch die Einkommen der Rentner um bis zu 60 Prozent.

Daraus wird deutlich, dass das Funktionieren eines Rentensystems nicht davon abhängt, ob es sich um eine umlagen- oder kapitalfinanzierte Rente handelt.

Entscheidend ist in erster Linie die Leistungsfähigkeit der aktiven Generation. Denn jeglicher Sozialaufwand muss aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode finanziert werden, wie dies der Sozialwissenschaftler Gerhard Mackenroth 1952 schon erkannte. Dies betrifft auch die kapitalgedeckte Rente.

Zwar lassen sich mit Hilfe eines Kapitalpolsters die wirtschaftlichen Auswirkungen des demografischen Wandels oder der steigenden Arbeitslosigkeit hinauszögern. Doch wenn den Rentenempfängern auf Dauer nicht genügend vorsorgende Berufstätige gegenüberstehen, stimmt auch am Kapitalmarkt langfristig die Bilanz nicht mehr. Zur Auszahlung der Kapitalrente müssen dann nämlich Vermögenswerte liquidiert werden, und dafür braucht es Nachfrage am Kapitalmarkt. Im Extremfall würde das bedeuten, dass die Aktien im Vorsorgevermögen immer weiter an Wert verlieren, weil die Nachfrage von neuen Aktienanlegern fehlt. Auch: Immobilien verlieren an Wert, wenn die Bevölkerung und damit die Zahl der möglichen Käufer schrumpft oder immer weniger Erwerbstätige Geld für den Kauf von Häusern und Wohnungen haben.

Selbst eine Bank kann Sparguthaben nur auszahlen, wenn ihr von Sparern oder anderen Banken neue Liquidität zur Verfügung gestellt wird. Geschieht dies nicht, müsste sie über kurz oder lang ihren Geschäftsbetrieb einstellen.